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Beitrag zur Feststellung des Verhältnisses von Keppler zu Wallenstein. 3
schärfer festzustellen. Bis zum Erscheinen dieses letzten Bandes werden aber wahrschein-lich noch einige Jahre vergehen. Inzwischen glaube ich einen gelegentlichen Fund, durchdie eingehends erwähnten Umstände veranlasst, dem wissenschaftlichen Publiko nichtvorenthalten zu dürfen, indem ich hoffe dass die gegenwärtige Mittheilung selbst noch dazubeitragen wird auf das Verdienstvolle der Arbeit des Prof. Frisch aufmerksam zu machenund ihre literar-historische Bedeutung noch mehr hervorzuheben.
Die vollständige Sammlung der Keppler’schen Manuscripte, wie sie in dem BesitzeHevel’s gewesen und von dessen Erben oder von Hansch, dessen Namensinitiale (D. M.G. H.) der letzten Seite des Einbandes in goldenen Lettern aufgedruckt sind, in starken Le-derbänden gebunden ist, scheint aus 20 Folio und 2 Quartbänden bestanden zu haben 1 ). Zudiesen kamen noch einige nicht eingebundene Convolute hinzu, von denen Pulkowa nur eineMappe besitzt. Die in dieser Mappe enthaltenen Manuscripte sind meist von Bartsch’sHandschrift, indessen finden sich darin doch auch noch einige eigentliche Keppleriana.Von den genannten 22 Bänden besitzt Pulkowa 18. Von den 4 fehlenden, welche dieNummern VI, VII, VIII und XII tragen, sollen nach Murr’s Angaben, wenigstens die 3ersten sich in der K. K. Bibliothek zu Wien befinden und sind nie nach Russland gekom-men, sondern fehlten schon als die Kaiserin Catharina die übrigen Manuscripte ankaufte.Mein Vater spricht in der erwähnten Einleitung zum Catalog der Sternwartsbibliothek dieMeinung aus, dass jene 4 fehlenden Bände die Briefe enthalten, welche von Hansch pub-licirt sind und dass sie von letzterem als Original-Documente seiner Publication in der K.K. Bibliothek in Wien deponirt seien. Diese Ansicht ist wohl nur theilweise richtig, dennauch in den hier befindlichen Bänden finden sich mehrere Briefe, die in Hansch’s Werkeaufgenommen sind. Eine Vergleichung des von Hevel angegebenen Inhalts der von ihmbesessenen Manuscripte, mit der Pulkowaer Sammlung, lehrt ausserdem, dass hier einigegrössere Schriften fehlen und es steht wohl zu vermuthen, dass auch diese sich in jenen4 Wiener Bänden finden 2 ).
Hansch’s Publication ist nur eine sehr unvollständige gewesen. Er hat sich offenbarnur auf die lateinische Correspondenz beschränkt, während die deutsche fast ebenso zahl-reich in den Manuscripten vertreten ist und auch erstere ist nur sehr lückenhaft von ihmwiedergegeben. So fehlt z. B. der Inhalt des ganzen zehnten Bandes, welcher den so höchstinteressanten durchweg lateinisch geführten BriefwechselKeppler’s mit DavidFabricius'enthält 3 ). Desgleichen enthalten auch die Bände XVIII und XIX noch viele Correspoiiden-
1) Hevel selbst giebt 1674 29 Fascicula an. Der Einband datirt aber erst von 1712 und die Nummern derjetzigen Bände entsprechen nicht den Nummern der Hevel’schen Fascicula, so dass hieraus allein kein Urtheilüber die Vollständigkeit der Sammlung, wie sie im Besitz Hevel’s war, abzunehmen ist.
2) Leider haben wir in unserer Sammlung vergeblich nach der von Ludwig Keppler abgefassten Synopsisvitae parentis gesucht, die freilich Hevel, wie er selbst bezeugt, nicht gekannt hat, die aber später als Manuscriptin Hansch’s Händen gewesen und von ihm vielfach zur Zusammenstellung seiner vita Ifeppleri, die die Einlei-tung zu seinem Werke bildet, benutzt worden ist.
3) Dieser Band wurde von der Pulkowaer Sternwarte dem Prof. Apelt in Jena behufs einer von ihm un-