Auguste Comte’s Leben und Schriften.
XIX
Bewegungen des in Leidenschaft befindlichen Menschen als Zeichenseines inneren Zustandes gelten, aber diese inneren d. h. geistigenZustände selbst können sie nicht bieten und deshalb sind die-selben auch nicht unmittelbar durch die Sinne zu beobachten.
Comte meint, „der Einzelne könne während seines Denkenssich nicht in zwei Persönlichkeiten theilen, von denen die einenachdenke, während die andere dies Nachdenken beobachte.“ —„Man könne die Methode nicht von deren Anwendung trennen, undkönne dieselbe daher nur dadurch kennen lernen, dass man derengrosse Anwendungen studire, welche der menschliche Geist vonihr gemacht habe.“ Allein diese von Anderen gemachten Anwen-dungen der Methode würden für die eigene Erkenntniss wirkungslosbleiben, weil sie nur äussere Worte böten, die unverständlich blie-ben, wenn das eigene Denken und seine Besonderung zu Begriffen,Urtheilen und Schlüssen nicht zuvor durch Selbstbeobachtung kennengelernt worden ist. Es wäre solche Annahme dasselbe, als wennman dem Blinden die Methode des Sehens durch die Beschreibungdieses Vorganges bei Sehenden begreiflich machen wollte.
Die unbefangene Beobachtung führt vielmehr zu der That-sache, dass das Denken und allgemein das Vorstellen in allen seinenArten in zweierlei Vorgänge sich auflösen lässt, von denen dereine dem Wissen den Inhalt des Vorgestellten gewährt und derzweite ein Selbstbewusstsein von der seelischen Thätigkeit ist,Welche dabei geübt wird. Diese beiden Zustände sind für dengesunden Menschen untrennbar bei allem Vorstellen zugleich vor-handen, und darauf beruht der bekannte Begriff des Bewusstseins.Ich weiss deshalb nicht blos, was ich denke, sondern auch dassich denke.
Nun brauchen allerdings, wie die Erfahrung lehrt, beide Rich-tungen nicht immer in gleicher Stärke vorhanden zu sein; je stärkerdie eine Richtung auftritt, desto schwächer wird die andere. Dereifrige Astronom, der eifrige Chemiker hat seine Aufmerksamkeif,auf den Inhalt seines beobachteten Gegenstandes gerichtet, ohnedabei seinen eigenen Seelenzustand mit in Betracht zu ziehen, undumgekehrt kann der Psycholog behufs Erforschung der Gesetzedes Gedankenlaufs den Inhalt des Gedachten beinah ganz zurück-treten lassen. Allein dies hebt das gleichzeitige Dasein beider
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