Zweiundzwanzigstes Kapitel.
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und Deklinationen sich beschränkt. Führt man sie aber auf dieLängen und Breiten zurück, so erkennt man sofort, dass die letz-teren gar keine gemeinsame Veränderung erlitten haben, wohlaber die ersteren, und zwar eine allgemeine Zunahme der Längevon jährlich ungefähr 50 Sekunden, welche ohne Ende gleich-förmig fortgeht. Diese wichtige Entdeckung geschah durchHipparch in Folge des Unterschieds von zwei Graden, welche erzwischen seinen Längen der Gestirne und denen bemerkte, welchesich aus den anderthalb Jahrhunderte früher angestellten Beobach-tungen des Aristill und Timocharis ergaben. Dieser Vorgangbedeutet genau dasselbe, wie der Rückgang der Aequinoetialpunktein der Ekliptik gegen die Ordnung der Thierzeichen. Davonkommt der gebräuchliche Name, in Folge des steten Vorrückensvon jährlich zwanzig Minuten, welches sich daraus nothwendig fürdie Epoche der Aequinoctien ergiebt.
Man konnte bei der Annahme, dass die Erde sich nicht be-wege, dieses Vorrücken der Aequinoctien nur durch eine Um-drehung des Weltalls erklären, und zwar um die Pole der Ekliptikinnerhalb eines Zeitraums von 25,920 Jahren, während es gleich-zeitig jeden Tag in entgegengesetzter Richtung sich um die Poledes Aequators drehte. Dagegen genügte, wenn man die Bewegungder Erde annimmt, dafür eine Veränderung des Parallelismus derAxe ihrer Umdrehung um eine beinahe unmerkliche Grösse, dennder Vorgang vollzieht sich vollständig, wenn man innerhalb dieserlangen Periode diese Axe sich um die Axe der Ekliptik in einemunveränderlichen Winkel drehen lässt.
Der Unterschied dieser beiden Hypothesen wird in dieser Be-gehung noch bemerkbarer, wenn man einen Nebenvorgang in Be-fracht nimmt, der den Namen der Nutation führt und denAlten unbekannt war. Dieser merkwürdige Vorgang, welchereine Periode von ungefähr 18 Jahren einhält, wurde zuerst vonUradley festgestellt. Er fügt sich der Hypothese des Coper-uikus leicht ein, wenn man die konische Bewegung der Erdaxe,Welche dem Vorrücken der Nachtgleichen entspricht, ein wenig mo-^ifizirt. Man muss sich vorstellen, dass diese Axe nicht jeden Augen-blick die Lage einer Erzeugenden des Kegels einnimmt, sondern'lass sie sich in 18 Jahren um sich herumdreht, indem sie einem