Band 
Erster Band.
Seite
383
JPEG-Download
 

Vierzigstes Kapitel.

383

einen philosophischen Charakter zu bieten, gleich dem bei dermathematischen Rechnung, wenn sie auf Fragen ihres eigentlichenGebiets angewendet wird. Hier zeigt sie jene Eigenschaft, wo-durch sie in jener unbestimmten Reihe analoger Fälle den Theilklar darlegt, welcher wahrhaft allen gemein ist, und der vor dieserabstrakten Verallgemeinerung unter den nebensächlichen Einzel-heiten jedes besonderen Falles verhüllt war.

Die vergleichende Methode ist bis jetzt den physiologischenProblemen noch wenig angepasst worden, wo sie doch nochnöthiger und mit Ausnahme einer höheren Schwierigkeit, auchganz anwendbar ist. Um ihre Eigenthümlichkeiten darzulegen, mussman ihr die ganze Ausdehnung geben, deren sie fähig ist, undnicht blos alle Fälle der thierischen Organisation, sondern auchden pflanzlichen Charakter der Vergleichung unterziehen. MancheVorgänge könnten ohnedem nicht ergründet werden, z. B. die desorganischen Lebens, sogar bei dem Menschen. Der pflanzlicheOrgiimsmus passt für das Studium jener, nicht blos deshalb, weilman da die Vorgänge für sich und ganz in ihrem streng elemen-taren Zustande beobachten kann, sondern weil sie da auch vieldeutlicher hervortreten, denn die pflanzliche Verarbeitung bildetden grossen Vorgang, durch welchen der rohe Stoff in den orga-nischen Zustand wahrhaft Ubergeführt wird. Die weiteren Um-bildungen, welche der Stoff dann von Seiten des thierischen Orga-nismus erfährt, sind lange nicht so durchgreifend, und deshalbeignet sich der pflanzliche Organismus vielmehr zur Aufdeckungder elementaren Gesetze der Ernährung.

Die vergleichende Methode ist auf alle Organe und alle Vor-gänge anwendbar; aber ihre Hülfsquellen sind ungleich, weil ihrwissenschaftlicher Werth bei den höheren Organismen in demMaasse abnimmt, als es sich um eine höhere Ordnung von Ver-richtungen und Wirksamkeiten handelt, deren Ausdauer bei demHerabsteigen auf der biologischen Stufenleiter weniger lange währt.Der Art sind namentlich die geistigen und moralischen Thätig-keiten, die unterhalb des Menschen kaum noch erkannt werdenkönnen, sobald man von der obersten Klasse der Säugethiere hinab-steigt. Es ist deshalb eine Unvollkommenheit der vergleichendenMethode, dass sie gerade da weniger benutzt werden kann, wo