272
Fiinfundfünfzigates Kapitel.
nutzten jedweden Einfluss für die Erhaltung des katholischen Organismus. Sie überredeten alle aufgeklärten Geister, unter demstillen Vorbehalt einer geheimen persönlichen Befreiung, dass dieBefestigung ihrer eigenen Macht sie nöthige, an allen Anstrengungensich zu betheiligen, welche die Menge unter geistlicher Vormund-schaft erhalten sollten. Dieser Plan konnte indess nur einen un-zuverlässigen Erfolg haben; er beschränkte sich auf die Zeit, wodie theologische Emanzipation noch genügend konzentrirt blieb.
Der Art war die einzige grosse Anstrengung, welche derKatholizismus unternahm, dessen Wiederherstellung von den Jesuiten unter dem Schutz der spanischen Monarchie unternommen wurde.Diese Monarchie wurde die beste Stütze für diese Politik, weilsie besser wie jede andere vor ketzerischen Berührungen bewahrtwar. Das Tritendinische Konzil ergab ein Resultat, das die Päpstemögen vorausgesehen haben, da sie sich weigerten, diese machtloseVersammlung zu berufen und zu verlängern. Dieses Konzil hatdurch seine lange und gewissenhafte Revision des katholischen Systems nur, mit einer nutzlosen Bewunderung, die völlige Gemein-schaft aller seiner Theile festgestellt. Alle Verbesserungen, derender Katholizismus fähig war, ohne seine Natur einzublissen, warenschon Ö00 Jahre früher durch die Errichtung des Franziskaner -und Dominikaner -Ordens versucht worden. Indem das katholischeSystem sich schon in seiner gänzlichen Auflösung befand, so konntees in der nunmehrigen Epoche nur seinen Widerstand gegen dieweitere Entwickelung organisiren.
Auf diese Weise sank der Katholizismus in Europa zu einerPartei herab und verlor die Fähigkeit, seine frühere soziale Be'Stimmung zu erfüllen. Nur mehr und mehr mit seiner Erhaltungbeschäftigt, wurde er zu einer engen Gemeinschaft mit dem König'thum genöthigt und musste Massregeln anrathen oder billige 11 ’welche seinem eigenen Geist widersprachen. Man hat das Zeug'niss dafür in der Geschichte des strafbarsten Attentats, das jemalsgeschehen ist.
Kurz, der politische Schauplatz nahm von dieser Zeit ab denCharakter an, der bis zu unseren Tagen sich verlängert hat. Sei*Philipp II bis zu Bonaparte sehen wir denselben Kampf zwischen