330
Sechsiuidfünfzigstes Kapitel.
Ich habe zur Vervollständigung dieser geschichtlichen Be-urtheilung noch die industrielle Bewegung während der letzten |fünf Jahrhunderte zu prüfen. i
Bei dem im vorigen Kapitel geschehenen Studium des Laufes jder revolutionären Bewegung habe ich für diese Epoche drei sichfolgende Gestaltungen angenommen. Diese Eintheilung gilt auchfür die neubildende Bewegung.
Die erste dieser Gestaltungen, welche ich in der negativenReihe für die wichtigste erklärt habe, bewahrt auch in der positivenReihe dieselbe hohe Bedeutung, denn in den zwei Jahrhunderten, diesich auf die von selbst erfolgte Zersetzung des katholischen und ,feudalen Regiments beziehen, begann die Industrie ihren Einflusszu entwickeln. Die zunehmende Auflösung der alten Ordnungund deren Richtung auf die weltliche Diktatur waren der industriellenEntwickelung günstig, welche jene Mächte zu beschützen sich be- 'mühten, entweder aus einer unmittelbaren Gunst für sie oder umsich die Unterstützung der neuen Kräfte zu verschaffen. Umge-kehrt hat die Ausdehnung des industriellen Lebens den Verfall desalten sozialen Organismus vorbereitet, indem sie die alte Unter-ordnung zerstörte, die demselben die Gunst der Mehrheit der niede-ren Klassen bewahrte. Die grossen Städte, die Hauptherde derCivilisation, reichen bis zu dieser Epoche zurück; vor dieser Zeitwar die Wichtigkeit von London, Amsterdam und selbst von Paris noch unbedeutend.
Unter den vielen Einrichtungen, die das damalige Ueber-gewicht des industriellen Lebens über das militärische Leben dar-legen, will ich nur die wichtigste erwähnen, welche die Errich-tung bezahlter Heere betrifft, die im Beginn dieser Epoche nur aufZeit geschah, aber an ihrem Schlüsse überall eine dauernde wurde-Diese Neuerung begann in Italien im Anfang des 14. Jahrhunderts,zunächst in Venedig, dann in Florenz ; ihr wesentlich industrieller ,Ursprung zeigt sich dann in ihrer Ausdehnung auf das ganzeübrige Abendland. Sie zeigt überall den steigenden Widerwille! 1der neuen Bevölkerimg gegen die militärischen Sitten, die so aufeine Minderheit beschränkt wurden, die allmählich noch mehr ab-nahm, trotz der zahlenmässigen Vergrösserung der moderneuHeere. Diese Einrichtung war nöthig, um die niederen Klassen