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Sechsundfünfzigstes Kapitel.
dem 14. Jahrhundert. Ich beginne mit der Prüfung der ästheti-tischen Entwickelung, welche der industriellen am nächsten steht.
Die ästhetischen Fähigkeiten haben sich in allen Lagen derMenschheit offenbart, die einigermassen bestimmt und dauerhaftwaren. Auch bieten sie die einzige Entwickelung, welche sowohlder militärischen und theologischen, wie der industriellen undpositiven gemeinsam ist.
Es war daher grundsätzlich unmöglich, dass die schönen Künstein einem so eigenthümliclien Zustand, wie dem des Mittelalters,sich nicht hätten entwickeln sollen, und es ist daher von Wichtig-keit, den Ursprung der ästhetischen Entwickelung bei den moder-nen Gesellschaften hierher zu legen. Wenn das katholische undfeudale Regiment eine genügende Festigkeit hätte erlangen können,so würde es dann einer solchen Entwickelung viel günstiger ge-wesen sein, als alle früheren Iiegieruugsweisen. Die feudalenSitten hatten den Gefühlen der persönlichen Unabhängigkeit einebis dahin unbekannte Energie gegeben. Das häusliche Leben warverschönert und in dem Maasse ausgedehnt worden, als die Lageder Frauen glückliche Veränderungen erfahren hatte. Endlichbildete die gemeinsame Thätigkeit eine nicht weniger mächtigeQuelle poetischer Inspirationen mittels des moralischen Reizes,der in dem System der Vertheidigungskriege lag. Dies warenFolgen der Lehnsverfassung, welche durch den katholischen Geistmit Hülfe der Theilung der Gewalten ihre Regelung erhielt.
Der Einfluss des Katholizismus zeigte sich zunächst durchder Grad spekulativer Thätigkeit, die er beinahe in allen Klassenentwickelte, und demnächst in den Zwecken, welche dessen Kultusden schönen Künsten bot. Die zahlreichen Hauptkirchen wurdenzu Mustern, wo die Musik, die Malerei, die Skulptur und die Bau-kunst eine glückliche Anwendung fanden. Diese wichtigen Eigen-thümlichkeiten waren besonders der katholischen Verfassung zu-gehörig, wenn man letztere blos in sozialer Hinsicht auffasst undvon der theologischen Philosophie absieht, die ihr als Grundlagediente. Die ästhetische Entwickelung vertrug sich wenig mit demunbestimmten, abstrakten und unbiegsamen Charakter des mono-theistischen Glaubens, indess konnte ein solcher Charakter den Auf-schwung der schönen Künste, die von der gesainmten sozialen Lag 6