Borrede.
Die Geschichte unseres Volkes, wie sie in unserem Jahrhundertsich entwickelt, darzustellen, ist eine dankbare Aufgabe. Denn nicht nurgeht der Gang stetig aufwärts, sondern sie hat auch das Eigentüm-liche, daß bei genauerer Untersuchung gar manche Schatten sich wesent-lich aufhellen. Wenn wir nun in unseren Tagen mit Befriedigungwahrnehmen, daß im Vergleiche mit dem Anfange unseres Jahrhundertsunser Vaterland zu einer den fremden Nationen die höchste Achtunggebietenden Stellung aufgestiegen ist, daß der Bürger eine weit-greifende Teilnahme an der Regierung des Staates wie an der Ver-waltung von Gemeinde, Kreis, Provinz übt, daß die Stellung derRegierung ihm gegenüber aus einer wehrenden zu einer wesentlichfürsorgenden geworden ist, daß einem jeden — wie es einst Perikles an Athen rühmte (Thukyd. 2, 41) — die Freiheit gegeben ist, „nachden verschiedenen Seiten des Lebens hin mit Anmut gewandt seinePersönlichkeit zu selbständiger Tüchtigkeit auszubilden", daß die Kunstbis in das schlichte Bürgerhaus hinein einen sittigenden und veredeln-den Einfluß gewonnen hat: wenn wir in diesen Momenten den Haupt-unterschied unserer Tage von dem Beginne des -Jahrhunderts sehen,so war dem Geschichtschreiber seine Aufgabe damit vorgezeichnet. Erhat sich bemüht, ihr gerecht zu werden, indem er nicht in gleichmäßigemFlusse die Jahre durchging, sondern das Grundlegende und Folgen-reiche, wie die Anfangsjahre des Jahrhunderts, zumal die Zeit der Be-freiungskriege, eingehender darlegte, das weniger Wichtige dagegen,gewissermaßen die Senkungen zwischen den Hebungen, kurz skizzierte.Dabei war sein Bestreben, die maßgebenden Persönlichkeiten wie die ent-scheidenden Wendepunkte in vollerer Rundung herauszuarbeiten, auchwohl einmal durch Einzelzüge der Darstellung frischeren Reiz zu geben.