Fünftes Kapitel.
Der Thronwechsel in Ureußen.
Auch die preußische Stadt Elbing hatte eine Zustimmungsadresse anden Professor Albrecht, ihren Landsmann, einen der Göttinger Sieben, ge-richtet, worin sie sagte, daß ein solcher Gewaltstreich in Preußen freilich un-möglich wäre, wo der König stets das Beispiel der Ehrfurcht vor den Ge-setzen gebe. Zwar hatte dies den Unterzeichnern der Adresse von demMinister des Innern, von Rochow, den Verweis zugezogen, daß es „demUnterthanen nicht gezieme, an die Handlungen des Staatsoberhauptes denMaßstab seiner beschränkten Einsicht zu setzen" — eine Antwort, aus welcherdas bekannte Wort von dem „beschränkten Unterthanenverstande" ent-standen ist — aber doch hatten die Elbinger den Kardinalpunkt richtig ge-troffen, durch den sich Preußen auch in der Hochflut des MetternichschenSystems unversehrt erhielt. Das war das unerschütterte Vertrauen despreußischen Volkes zu der patriarchalischen Regierung seines greisen Königs.
In der Leidenszeit war der schlichte und redliche Monarch seinemVolke fest ans Herz gewachsen. Und als nun nach dem glorreich durchge-sochtenen Befreiungskämpfe der Frieden kam, war seine ganze Art rechtdanach angethan, dies innige Band noch zu befestigen. Dankbar gegen seinebewährten Helfer, ging sein Streben nicht auf Ruhm und Glanz, sonderndarauf, die Wunden, die der Krieg dem Volke geschlagen, zu heilen undnunmehr auch die geistigen Interessen in fruchtbarer Weise zu fördern.Eine Zeit regen Schaffens in Kunst und Wissenschaft begann. In Berlin wirkten Schinkel und Rauch und der liebenswürdige Komponist Karl Maria von Weber ; mit nicht geringerem Eifer, wenn auch mit geringerem Erfolge —denn der Sinn der Zeit ging auf das Monumentale — die Maler Schirmer,Klöber, Wilhelm Wach , „Pferde"-Krüger, in Düsseldorf Schadow. Mäch-tigen Aufschwung nahm die Wissenschaft, indem die historische Anschauungüber die Voraussetzungslosen Ideen des vorigen Jahrhunderts obsiegte: dieRechtswissenschaft durch Savigny , die Geschichtsforschung durch Niebuhr unddurch die von Stein gegründete Gesellschaft für ältere deutsche Geschichts-kunde, die Altertumskunde durch Böckh, die Sprachforschung durch Bopp;Karl Ritter begründete die vergleichende Erdkunde. 1818 wurde die Uni-versität in Bonn gestiftet.