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Nordwest-Deutschland (von der Elbe und der Westgrenze Sachsens an) : Handbuch für Reisende / von K. Baedeker
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ZUE KÜNSTHISTOKISCHEN Romanischer

der Gottesdienst erheischt, unterscheiden sich aber von einanderdurch die formelle Behandlung, welche sie jenen angedeihen lassen.Gemeinsam sind allen zunächst der Baum, welcher zur Aufnahmeder Gemeinde dient und regelmäßig in drei Schiffe, ein mittleres,höheres und breiteres, und zwei niedrigere schmalere Seitenschiffegeteilt wird, nebst dem im Halbkreis abgeschlossenen Altarraum(Apsis), sodann hei größeren Anlagen das Querschiff, zwischenLanghaus und Apsis eingeschoben, oft das erstere an Breite über-ragend, sodaß eine Kreuzform entsteht. Auch die Torhalle unddie Türme kehren immer wieder, nur wechselt die Zahl und dieStellung der Türme. In diesen romanischen Baukreis ordnetsich nun die nieders'ächsische Architektur des xi. undxn. Jahrhunderts in folgender Weise ein.

Keine prächtige Fassade, kein reicher Portalbau ladet zum Ein-tritt ein. Ein schmuckloser, hoher Torbau, zu beiden Seiten vonTürmen begrenzt, schließt die Kirchen im Westen ab; der Ein-gang, namentlich in Stifts- und Klosterkirchen, war an der Lang-seite angebracht und führte aus dem Kreuzgange, dem Klosterhofe,in das Innere. Dasselbe erscheint in drei Schiffe geteilt, dieOberwand des Mittelschiffes wird selten von Säulen, meistens vonPfeilern getragen, aber auch die Anordnung, daß Pfeiler undSäulen wechselnd auf einander folgen, kommt häufig vor. DieserStützenwechsel bildet einen wichtigen Charakterzug der nieder-sächsischen Architektur. Da er nicht aus einem konstruktivenBedürfnis erklärt werden kann, so muß er auf die Freude anrhythmischen Terhältnissen zurückgeführt werden, die sich auchsonst in der Dekoration der Wände (Einrahmung) ausspricht. Aufmächtige, durch ihre Größe imponierende Anlagen war es nichtabgesehen. Die struktive Technik entwickelt sich langsam.Zunächst sind mit Ausnahme der Krypta unter dem Altarraumeund dieses letzteren alle andern Teile mit der flachen Holzdeekeversehen; dann werden die Seitenschiffe eingewölbt; die Wölbungdes Mittelschiffes erscheint erst im Laufe des xii. Jahrhundertsals Kegel. Dagegen gibt sich frühzeitig ein lebendiger Sinn fürdie Ausschmückung der Einzelglieder kund. Die Säulenkapitäle,anfangs in einfacher Würfelform dargestellt, empfangen bald einemannigfaltigere Gestalt und reichere Dekoration durch Blatt- undBildwerk. Und nicht die Säulen allein, auch die Gesimse undFriesbänder und Bogeneinfassungen im Innern der Kirche zeigendie Herrschaft eines rasch ausgebildeten feinen ornamentalen Sinnes.In dieser Hinsicht überragen die niedersächsischen Bauten weithinalle anderen auf deutschem Boden errichteten Werke. Weder dierheinischen Kirchen, vorwiegend aus Tuffstein erbaut, noch diesüddeutschen, nicht selten durch die plumpe Detailausführungauffallenden Anlagen, können sich mit ihnen messen. Unter denUrsachen, welche diesen künstlerischen Aufschwung in^Nieder-sachsen hervorriefen, muß die unmittelbare Teilnahme der Kaiser