Buch 
Nordwest-Deutschland (von der Elbe und der Westgrenze Sachsens an) : Handbuch für Reisende / von K. Baedeker
Entstehung
Seite
58
JPEG-Download
 

58 Route 17.

ESSEN .

Von Dortmund

Die kath. * Münsterkirche, von dem vom Oberhofe Essen stammen-den Bischof Alfred von Hildesheim gegründet und 874 geweiht, isteines der ältesten erhaltenen christl. Baudenkmäler Deutschlands ,in den letzten Jahren stilgerecht hergestellt. Der Westchor, ausdrei Seiten eines Zclmecks geschlossen, in eigentümlicher Ver-bindung mit einem Turm, erinnert in der Anordnung und denantikisierenden Details an das Aachener Münster und stammt ausdem x. Jahrh. Die Krypta unter dem Ostchor wurde laut Inschrift(neben dem Altar) 1051 geweiht, das got. Schiff und der Chornach einem Brande 12G5-131G erbaut, mit neuem Dachreiter. Sa-kristei von 1554.

Inneres. In dem bei der Restauration wieder freigelegten Westchoreine antike Marmorsäule, welche im Mittelalter ein Reliquienkreuz trug. —Im nördl. Seitenschiff, links vom Ilauptchor, ein schönes Altargemälde vonBarth. de Bruyn (152^-27.) — lm (^uerschiff: Reliquienschrein des h. Al-fred, Anfang des xv. .Talirh. $ Chorfenster, Orgel und die reich geschnitzteKanzel sind modern. Im hohen Chor ein merkv iirdiger großer sieben-armiger Leuchter aus Erzguß, von der Äbtissin Mechtildis, einer NichteOttos II., Enkelin Ottos I., im .T. 998 geschenkt. — In der sog. Gold.Kammer, einem gewölbten spärlich erleuchteten Nebenraume (KüsterSteeler Str. 23): außer andern Kostbarkeiten vier Goldkreuze mit Edel-steinen reich verziert, drei von der Äbtissin Mechtildis herrührend, einviertes von der Äbtissin Theophanu (+ 1054), einer Enkelin Ottos II., einKvangelienbnch mit goldenem Deckel u. kunstvollem Elfenbeinschnitz-werk (1054)* ein spätromanisches Prachtschwert.

Der nördl. an die Kirche anschließende got. Kreuzgang ist gleichfallserneut worden.

An dem nahen Marktplatz (las stattliche Rathaus , mit 5Gmhohem Turm, von Zindel im frühgotischen Stil erhaut. Davorein gutes Bronzestandbild Alfred Krupps (1810-87), des Schöpfersder Gußstaklfabrik, von F. Sehaper. — Die kath. Gertrudiskirche,von Ringlake in Düsseldorf (1877), und die evangel. Pauluskirche,von Flügge (1872), sind ebenfalls im gotischen Stil errichtet.

Bei Essen liegt, auf der Weiterfahrt nach Duisburg r. sichtbar,die 1810 gegründete Kruppsche Gußstahlfabrik, von deren zahl-reichen Schornsteinen namentlich einer, von leuchtturinartigemBau (69m), zu einem Riesendampfhammer von 1000 Ctr. Gewichtgehörig, hervorragt. Ein neues großartiges Gebäude mit Glasdachdient hydraulischen Schmiedepressen für Gußstahl und einemPanzerplatten-Walzwerk. Ihren Weltruf verdankt die Fabrik vor-zugsweise ihren Gußstahlkanonen, welche sie von den kleinen Feld-geschützen bis zu den gewaltigsten Marinegeschützen (2400 Ctr.schwer) herstellt. Die Zahl der Arbeiter beträgt c. 14000, diezum Teil kolonieartig bei einander wohnen. Der Zutritt ist nichtgestattet.

Essen ist auch Station der Bahn Dortmund-Speldorf (S. 57) sowie derCÖln-Mindener Eisenbahn (Stat. Altenessen , Zweigbahn: 3km in 10 Min;S. 44) und der Nebenstrecke nach Bochum S. 57).

Von Essen nach Düsseldorf über Kettwig , 36km, preuß. Staats-bahn (Direktion Elberfeld), in t St. 10 Min., für Jt 2.90 , 2.20, 1.50. —4km Rellinghausen . — Dann durch einen Tunnel ins Ruhrthal.

9km Werden (Gasth.: Deutscher Kaiser , Graeber ), alte Stadt von 8800