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Nordwest-Deutschland (von der Elbe und der Westgrenze Sachsens an) : Handbuch für Reisende / von K. Baedeker
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93
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QUEDLINBURG .

27. Route. 93

Lieblingsaufenthalt der deutschen Kaiser sächsischen Stammes,his 1477 wehrhafte Hansestadt, seitdem unter der Schutzherrlich-keit der Kurfürsten von Sachsen , und seit 1698 der Kurfürsten vonBrandenburg . Mit seinen noch teilweise erhaltenen Mauern, Tür-men und Gräben, westlich überragt von dem alten Schloß mit derStiftskirche, macht Quedlinburg einen stattlichen Eindruck.

Am Marktplatz das Rathaus, ein sehr alter Bau, mit Anbautenaus der gotischen und Veränderungen aus der Renaissancezeit,vorn ein steinernes Rolandsbild (S. 15).

In der Ägidikirche einige alte Ölgemälde. Das 1860 gebautoGymnasium hat eine 8000 Bde. zählende alte Bibliothek. DieMädchenschule enthält das städtische Museum (Konservator Dr.A. Düning, welcher Auskunft erteilt), eine bemerkenswerteSammlung von Bronze- und Steingerät, Urnen, Waffen, Marter-werkzeugen , Urkunden (Kaiserurkunden von 1038 und 1134,Sachsenspiegel), Siegel- und Münzstempeln, alten Porträts u. s. w.Auch der Holzkasten, in welchem die Bürger von Quedlinburg denGrafen Albrecht von Regenstein 20 Monate lang (1336-38) wegenLandfriedens eingesperrt hielten, wird gezeigt.

Vom Marktplatz gelangt man, der Straße in der Ecke demRathaus und dem Gasthof zum Bären schräg gegenüber folgendund sich später links wendend, über einen kleinen Platz, Finken-herd genannt, wo der Sago nach Heinrich der Finkler die Abge-sandten des Reichs empfing, welche ihm seine Wahl zum Kaiseranzeigten, auf den Schloßplatz, am Aufgang zum Schloßberg. Andem Platz das Geburtshaus Klopstocks (geb. 2. Juli 1724, j 1803 zuOttensen), mit einem von zwei Säulen getragenen Erker; r. da-neben wohnt der Küster der Schloßkirche (s. unten). Auf derPölle das Geburtshaus von Guts Muths (1759-1839), dem „Erz-vater der deutschen Turnkunst“.

Das Schloß, auf hohem Sandsteinfelsen, war Sitz des freienweltlichen, reichsunmittelbaren Frauenstiftes Quedlinburg, derStiftung der Königin Mathilde, der Mutter Ottos d. Gr., dessenTochter Mathilde (966-999) die erste Äbtissin wurde; das Stiftstieg bald zu bedeutendem Glanze empor, nahm im J. 1539 dieReformation an und ward 1803 aufgehoben. Neben dem Schloß dio

* Stifts- oder Schloßkirche , dreischiffige flachgedeckte Basilikavon hoher kunstgeschichtlicher Bedeutung, die Krypta von Hein-rich I. im x. Jahrh. begonnen, die Kirche 1021 eingeweiht, derheutige Bau nach dem Brande im J. 1070 unter Wahrung der Ur-sprung]. Anlage begonnen, der das Langhaus hoch überragendoChor 1320 vollendet, 1862 hergestellt.

Im Innern zahlreiche Grabsteine der Äbtissinnen. — Die Kryptaenthält die Gräber Heinrichs I. (t 936), seiner Gemahlin Mathilde und seinergleichnamigen Enkelin (s. oben), sowie den 1868 wieder entdeckten, inden Fels gehauenen Gruftbau Heinrichs I. mit der Betkapelle der KöniginMathilde, (x. Jahrh.). — In der * ßcJiatzkav.mer („Zitter“ genannt)Gegenstände von hohem Kunst- o. Altertumswert, großenteils aus demx. Jahrh., u. a. ßeliquienbehälter, Evangelienbiicher (x. Jahrh.), ein geist-