SR. Route. 155
wurde Emst der Fromme der erste Fürst von Gotha (1640-75)5 er legte intraurigster Zeit neuen Grund zu Wohlstand und Bildung. Seine Nach-folger Friedrich I. (1675-1691) und Friedrich II. (1691-1732) von S. Gotha-Altenburg suchten durch Bauten und andern Prunk das Beispiel Lud-wigs XIV. nachzuahmen. Unter Friedrich III. (1732-1772) wurde Gotha durch die geistvolle Herzogin Luise Dorothea (von Meiningen ) ein Haupt-sitz französischer Bildung. Ihr Sohn Ernst II. (1772-1804) nahm lebhaftenAnteil an dem von Weimar ausgehenden geistigen Aufschwung und fordertedie allgemeine Volksbildung, durch welche sich das Land noch heute aus-zeichnet. Mit seinen Söhnen August (1804-1822) und Friedrich IV. (1822-25)starb das gothaiscbe Haus aus und es folgte nach einer neuen ErbteilungEmst I. von S. Coburg-Gotba (1826-1844), Vater des jetzt regierendenHerzogs Ernst II .
In der Bahnhofstraße (PI. D 6, 5) das erste große Gebäude
r. die Grundkreditbank, 1. Feuerversicherungsbank (beide gebaut vonBohnstedt); 1. Lebensversicherungsbank (PI. 14); — R. das kleinePalais des Herzogs (Pi. 29), mit einer Sammlung neuer Bilder, da-runter Canon, Cromwell; *Wappers, KarllX. in der Bartholomäus-nacht; Landseer, Tierstück; Makart , Skizze zum “Wiener Fest-zug; ferner Marmorgruppe von Ed. Müller, Psyche u. Amor (Ka-stellan im Hause links). — L. der herzgl. Marstall (PI. 15), erbautvon Eberhard; in der hier 1. abgehenden „Schloßallee“ das Museum(S. 156)
In der Verlängerung der Bahnhofstraße r. das Palais Friedrichs-ihal (PI. Ö), gebaut von Friedrich II., gegenüber die Orangerie mitumfangreichen Gewächshäusern, dann das Ministerium (PI. 18:C 4), davor eine Gartenanlage, dann 1. die Privatbank, gebaut vonBohnstedt, r. die Freimaurerloge, dann die Post (PI. 4), 1. dasTheater (PI. 27: C 3), erbaut von Eberhard. Gegenüber ein Sand-steinobelisk für die 1870/71 im Kriege gefallenen Landesange-hörigen. Neben dem Theater ein Denkmal Arnoldis (PI. 1: C 3,
s. S. 154) mit dessen Medaillonbild.
Auf dem Hauptmarkt (PI. B 3) das 1574 als Kaufhaus er-baute Rathaus, an der reichverzierten Nordfassade Lamm u. Dracheals Erinnerung an die hier abgebrochene Jakobskapelle. Das süd-östl. Eckhaus gehörte dem Maler Lukas Cranach ; am Thor seinZeichen: geflügelte Schlange mit Krone.
Von dem 1258 gegründeten Augustinerkloster (PI. 9: B. 4) istder Kreuzgang erhalten, in der im vorigen Jahrhundert erneuertenKirche der Grabstein des Friedrich Mykonius (geh. 1491 zuLichten-fels a. M.), welcher hier 1524-46 die Reformation einführte, undeine Kreuzigung von dem Gothaer Emil Jacobs (1802-1866; andereBilder von ihm in der Schloßkirche, in der von Eberhard gebau-ten katholischen Kirche und im Museum; sein Denkmal in derBergallee, PI. B 4).
Über der Stadt ragt hervor das ansehnliche vielfenstrigeSchloß Friedenstein (3Ä3m; PI. 22: B C4), an Stelle des 1567 zer-störten Grimmensteins von Ernst dem Frommen in der letzten Zeitdes dreißigjährigen Krieges erbaut. Ein Turm auf der Nordseiteist abgebrochen, das östliche Turindach nach einem Brande ge-