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Nordwest-Deutschland (von der Elbe und der Westgrenze Sachsens an) : Handbuch für Reisende / von K. Baedeker
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231
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Mainz bis Coblenz .

LURLEI.

48. Route. 231

Bald wendet sich der Strom, aus dessen Fluten plötzlich diePfalz oder der Pfalzgrafenstein auftaucht, ein gut erhalteneskleines Burggebäude auf einem aus dem Bhein aufragenden Fels-riff, mit zahlreichen Türmchen und Schießscharten, wahrschein-lich des Rheinzolls wegen erbaut (Schlüssel beim Kahnführer inCaub , der hinüberfährt). An dieser Stelle gingen in der Neujahrs-nacht 1813-14 die Preußen und Russen unter Blücher über denRhein .

R. Caub (DK. u. E.; Gasth.: Grüner Wald), altes z. T. nochvon mittelalterlichen Befestigungen umgebenes Städtchen.

R. Auf der Höhe über Caub thront das stattliche Schloß Guten-fels, restauriert.

L. schon von weitem sichtbar, die Schönburg, die Wiege eineseinst hochangesehenen, 1713 ausgestorbenen Geschlechts, von denFranzosen zerstört, mit vier stattlichen Türmen.

L. Oberwesel (DK. u.E.; Gasth.: Rhein . Hof, Gold. Pfropfen-zieher), altes Städtchen von 2600 Einw., mit stattlichen Kirchen,Ringmauern und zinnengekrönten Türmen, überragt von den Trüm-mern der Schönburg (s. oben), einer der schönsten Punkte amRhein . Die got. Frauen- oder Stiftskirche, unweit des Bahnhofs,ist aus dem xiv. Jahrh. Auf der Höhe die spätgot. Martinskirche.

Das Bett des Rheins verengt sich, der Fluß ist auf dieserStrecke am schmälsten und tiefsten, oberhalb der Lurlei 23m tief.Zu beiden Seiten steile Felsgebirge, deren altberühmtes Echo anstillen Morgen oder Abenden dem im Kahn vorüberfahrenden Rei-senden mehrsilbige Rufe vielfach zurückgiebt.

R. tritt in zerrissenen mächtigen Steinblöeken eine gewaltigeFelsenmasse, die *Lurlei, in den Strom vor, 132m h. über diesenaufragend. Die Sage von der Zauberin, die hier wohnte und durchsüße Gesänge den Vorüberfahrenden lockte, bis sie selbst, vonLiebe bezwungen, sich in den Strom stürzte, hat durch KlemensBrentanos RomanzeLoreley (Jena , 1800), besonders aber durchdas Heinesche Lied (1823) und die Silchersche Weise allgemeineVerbreitung gefunden. Unmittelbar bei der Mündung des durchdie Lurlei getriebenen Tunnels der rechtsrheinischen Eisenbahn(S. 225) führt auf der Nordseite des Felsens ein steiler Weg, z. T.auf Steintreppen,hinu. wieder mit Ruhebänken versehen, in 25 Min.zur Spitze, wo eine Signalstange und beschränkte Aussicht.

L., gegenüber der Lurlei, drei Tunnel der linksrheinischenEisenbahn (S. 224).

Unterhalb der Lurlei, fast in der Mitte des Stroms, legt sichdie Bank, eine verborgene Klippenreihe, dem Fluß in den Weg. Inwilder Strömung toben die Wogen darüber weg und bilden Wir-bel, das Gewirre genannt.

R. St. Goarshausen (E.; Gasth.: Adler, Z. L. B. D/h, F. 1, M.2*/2 <M), überragt von der Veste Neukatzenelnbogen , gewöhnlichdie Katz genannt, 1804 von den Franzosen gesprengt.