114
Gedichte.
Aber oben mit den dunkelnAesten sieht sie schön'res Leben;
Sieht durch Laub die Sonne funkeln.Und belauscht des Geistes Weben,
Der in diesen stillen BergenRegiment und Ordnung hält.
Und mit seinen klugen ZwergenAlles leitet und bestellt;
Oft zur Zeit der SonnenwendenNächtlich ihr vorübersaus't,
Eine Wildschur um die Lenden,
Eine Kiefer in der Faust.
Sie vernimmt mit leisen Ohren,
Wie die Vogel sich besprechen;
Keine Sylbe geht verlorenDes Gemurmels in den Bächen.
Offen liegt vor ihr der stilleHaushalt da der wilden Thiere.
Welcher Friede, welche FülleIn dem schattigen Reviere!
Menschen fern; — nur RothwildstapsenAuf dem moosbewachfnen Boden! —O, wohl magst du deine ZapfenFreudig schütteln in die Loden!
O, wohl magst du gelben HarzesDuft'ge Tropfen niedersprengen.
Und dein straffes, grünlich schwarzesHaar mit Morgenthau behängen!