Buch 
Paris nebst einigen Routen durch das nördliche Frankreich : Handbuch für Reisende / K. Baedeker
Entstehung
Seite
306
JPEG-Download
 

300 Umgebung v. P., 23. VERSAILLES .

Schloß: Mitiel-

„Perückenzimmers“ und des „Kabinetts Ludwigs XIV.“ geschaffenund von Ant. Rousseau dekoriert worden ist. Darin eine großekünstliche Uhr, von Morand 1706 gefertigt, ein kostbarer Tisch undauf einer Staffelei eine h. Familie von Paussin.

Unter Führung eines Aufsehers (Trkg.) kann man die hier 1. an*schließenden Cabinkts Interieurs de Louis XV et de Louis XVI (126 his130) besuchen. Die feine zierliche Dekoration dieser Räume ist vonVcrbercht. An Möbeln sind fast nur die Standuhren die alten. Der ersteRaum (126) ist das Schlafzimmer Ludwigs XV., der hier am 10. Mai 177-1starb. Im „Salon des Pendules“ (127), mit Meridian, eine astronomischeUhr von Passemant, mit schönem Gehäuse von Caffieri, und eine 1830in Algier erbeutete englische Uhr.

Das ^Schlafzimmer Ludwigs XIV. (124) ist in Möblierung undDekoration fast genau so erhalten wie es 1701 geschaffen wurde. Vonden Bildern waren aber nur die vier Evangelisten von Valentinschon zu Lebzeiten des Königs hier. Die Kamine stammen aus derZeit Ludwigs XV. Das Bett selbst wurde unter Louis Philipp restau-riert; man beachte die prächtige Balustrade. Die Ruhmesgöttinnenund die Figur der Gallia sind von N. Coustou,.

ln diesem Zimmer starb Ludwig XIV . am 1. Sept. 1715 im 77. Lebens-jahr und nach 72jährigen Regierung. Dem Hofceremoniell entsprechendverkündete der erste Kammerherr von dem Erker aus den Tod des Königsmit den Worten: „le Roi est mort“, wobei er seinen Stab zerbrach, zu-gleich aber auch einen andern in die Hand nahm und dazu rief: „Vivele Roi!“

Das anstoßende Vorzimmer, Salle de l’CEil-de-B<euf (123),nach dem ovalen Fenster so benannt, war das Wartezimmer derHöflinge, die dem König ihre Morgenaufwartung machten. Derreiche Fries in vergoldetem Stuck mit spielenden Liebesgöttern istvon van Cleve u. a. Großes allegorisches Bild Ludwigs XIV. undseiner Familie in der Gestalt antiker Götter, von Nocret.

Von der Salle de l’CEil-de-Boeuf besucht man die gleichfalls nur unterGeleit eines Aufsehers (Trkg.) zugänglichen Cabinets de la Reine Marie-Antoinette (122). Die auffallend kleinen Gemächer zeichnen sich wiedie oben genannten durch reizende Dekoration aus. Man gelangt von hierauf den Esealier de Marbre (S. 309).

L. von der Salle de l’(Eil-de-Boeuf in das äußere Vorzimmer,Premiere Antiohambre (121), und in die Salle des Gaudes dvRoi (120), wo die "Wachen standen, beide mit Schlachtenbildern undAnsichten von Versailles von 1688.

Der Salon de la Paix (114), der südwestliche Ecksaal desMittelgebäudes, neben der Spiegelgalerie (S. 305/304), ist ebenfallsmit Deckengemälden von Lehnt n ausgeschmückt: in der Mitte Frank-reich thronend, umgeben von Abundantia und anderen allegorischenFiguren; in den Zwickeln Spanien, Frankreich, Holland undDeutschland (mit Biertrinkern, 1.) sich des Friedens freuend; an derAusgangswand Bildnis Ludwigs XIV. mit dem Staatsruder, von Le-moyne. — Es folgen die

Grands Appartements de la Reine (115-117). Die Deko-rationen sind auch hier beachtenswerter, als die Gemälde. Das