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Ueber Nithards vier Bücher Geschichten : der Bruderkrieg der Söhne Ludwigs des Frommen und sein Geschichtschreiber / von Gerold Meyer von Knonau
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G. Meyer von Knonau :

Aachen werde verlassen müssen, wollte er wenigstens den Siegern die Beute nicht lassen. Die Pfalz , die Marienkirche wurden,wie Prudentius klagt, ihrer Schätze beraubt. Ein silberner Tisch aus Karls des Großen Hinterlassenschaft mit kunstvollererhabener Arbeit (siAuis eminöntioribus 8eulptu), nach Prudentius von wunderbarer Größe und Schönheit", der letzteund schönste von drei ähnlichen (s. Karls Testament in Einhards Leben Karls: o. 33, Thegan : o. 8), wurde zersägt. Dieeinzelnen Stücke wurden unter Lothars Anhänger, so weit sie noch nicht sich entfernt hatten, vertheilt. Aber selbst diesewerthvollen Geschenke halfen nichts mehr.In Schaaren, haufenweise"^) verließen ihn seine Truppen. Schon ließ sichein Ueberfall Ludwigs und Karls, welche inzwischen das ripuarische Franken geplündert hatten, in nächster Zeit voraussehen,(e. 7) Da verließ Lothar in den letzten Tagen des März (s. oben p. 41) Aachen.Er zauderte nicht", sagt Nithard ,auch selbstsowohl aus dem Reiche^'), als aus dem Sitze^) desselben wegzugehen": er verließ den ehrwürdigen Mittelpunkt desjenigenV:o. 1) allumfassenden Reiches, wie es Karl der Große gestiftet hatte,die Pfalz zu Aachen , welche damals der vornehmste Sitz deSganzen fränkischen Reiches^) war". Diele Entfernung Lothars aus Aachen war ein Ereigniß von höchster Tragweite,Selbst der im klebrigen so dürftige Ado erwähnt gleich nach der Schlacht von Fontanetum, daß Karl und LudwigihmBruder Lothar, den Kaiser, aus Aachen schrecken" (soript. II: p. 822), und auch die Chronik von St. Vandrille sagt:tkkotimrius äs J.yui8 exüt (I. o: II: p. 302); ebenso enthalten die Annalen vonHersseld (in nun. Ililckeslleim., (M<j.liudurK., ^VeisssmlmrA. zu 842: 1. o. III: pp, 44 u. 45) die Nachricht: ck,otdnriu8 (Imtkeri) 6xpul8N8 68t äv (u) regm.Unaufhaltsam,in äußerster Schnelligkeit" (Ado) eilte Lothar nach dem Süden: da entstand, wie schon oben in Karl!Geschichte gezeigt wurde (pp>. 41 u. 42), das Gerücht^"), welches uns Rudolf überliefert hat: Lothar verzweifele an

seiner Sache und fliehe nach Italien , er gebe nicht nur seine Ansprüche auf eine kaiserliche Oberherrschaft nach den Be-

stimmungen von 817, sondern auch den Besitz der Rhein - und Rhonelande auf (N8g>u6 chockllmvious et Lnrolrw lloll-(<-, i) dariuiu u re^no 8uo a,1Ü886 vertw iuckioü8 ooZuovere sagt Nithard ). So schritten denn die verbündeten Könige i»

den letzten Tagen vor dem Osterfeste zu Aachen zu Lothars Absetzung, zur Neutheilung des von ihm, wie es schien, gänzlich

verlassenen cisalpinischen Gebietes (s. oben xp. 41 u. 42).

Aber wenn Lothar auch, zunächst nur auf die Rettung seiner Person bedacht, erst in weiter Entfernung MAachen zuerst wieder sich, sicher fühlte, so lag doch dieser Endpunkt seiner Flucht durchaus nicht jenseits der Alp«:ll:e.7)am Ufer der Rhone " (Nithard) machte er vielmehr Halt. Prudentius nennt uns zwei Orte, welche Lothar ausseinem Wege dahin berührte: Chalons an der Marne, und Troyes , wo er das Osterfest feierte (2. April). Auch duckLangres^) scheint er gekommen zu sein. Lyon jedoch ist unbedingt nach den einstimmigen Aussagen von Prudentiui(c. 1) und Ado als der Ort aufzufassen, an dem Lothar zuerst wieder festen Fuß faßte.Wenige" nur hatten es nach Nitbaüfür gut befunden, bei ihm auszuharren (yui 86 86gui äoliboruvoruut). Seine Gemahlin und seine Kinder waren ihi»,wie Ado erzählt, gleichfalls gefolgt. Allerdings hatte Lothar,ohne eine Schlacht zu liefern, eine Niederlageerlitten, die verhängnißvoller für ihn war, als selbst die Schlacht von Fontanet" ^). Aachen , das ihm nach jener allsicherer Zufluchtsort, als Stützpunct zu feinen neuen Unternehmungen gedient, hatte er jetzt preisgeben müssen. Dtwenn die Könige in Aachen feine Stellung für vernichtet angesehen, sich als seine Erben betrachtet hatten, so sollten stbald durch die Wirklichkeit über diesen ihren Irrthum belehrt werden.

Die Gegend von Lyon war der Boden, auf welchem Lothar sich am leichtesten von seiner Niederlage erholen,wo er die ausgiebigsten Hülfsquellen finden konnte. In Jngelheim war sie durch die Bischöfe von Grenoble , Valc«Tarantaise vertreten gewesen; dem Abte Hildegis von Donztzre war durch Lothar am 10. Oktober 840 Zollfreiheit z»Theil geworden. Bor allen andern aber ist unter Lothars Anhängern Agilmar zu nennen, sein Erzcanzler, der Nach-,folger Bernhards auf dem erzbischöflichen Stuhle von Vienne. In dem Erzbischof von Lyon, Agobard , war zwar LeWein Hauptverfechter seiner Ansprüche seit bald zwei Jahren hinweggestorben. Aber indem in der Person von Agobards sNachfolger, Amolo, ein Schüler dieses Prälaten den erzbischöflichen Stuhl von Lyon bestieg, darf wohl angenomM lwerden, daß derselbe auch hinsichtlich seiner Beziehungen zu Lothar den Traditionen des Vorgängers und Lehrers tm;blieb^). Nach Ado's Zeugniß (flui . . . uo Viennarn proxrcckitur) hielt sich Lothar außer in Lyon besonders amV:v.3) eben in Agilmars Stadt auf. Auch war er, wie Nithard berichtet, Herr über die Schiffahrt auf der Rhone : gehöredoch nach zwei Urkunden vom 6. Februar 841 (Böhmer: n. 566 u. 567) auch der Bischof von Marseille zu stock(e. 3) Partei. Von allen Seiten und so viel er konnte, erzählt Nithard weiter zog Lothar nach der mittlern RhchVerstärkungen zusammen: verhältnißmäßig rasch sah er sich wieder an der Spitze eines Heeres, auf das er sich HEreichend verlassen konnte"^) (Rudolf; auch Ado sagt: ilü r 606 pti 8 eoyüs; nun. Xunt: idi viridu8 roMiuptis). Is(c. 3) Lyon und Vienne scheint er einige Zeit geweilt zu haben (Nithard: 8uxru ripum Uockani r686äit; nnn. Xant:eonseäit; Ado: ibi nligUÄutulmrr substitit). Hierauf aber brach er in nördlicher Richtung auf und begab sich zu»15. Juni nach Macon . ,,

Ludwig und Karl hatten sich nämlich, wahrscheinlich im Laufe des Mai, in Verdun getroffen und dock sichdavon überzeugt, daß sie zu frühe sich in die Beute getheilt hatten, daß Lothar, wenn auch von der Höhe der früher vonry ^angemaßten Stellung gestürzt, doch von neuem eine nicht verachtenswerthe Macht gewonnen habe (s. oben pp. 42 n. i

hatte auch seinerseits endlich einen klaren Einblick in seine Lage gewonnen und erkannt, daß er den siegreichen Bn>M-nickt mehr so, wie früher, entgegentreten dürfe, daß er seine Ansprüche herunterschrauben müsse: er war nach Rudolf p*omar ,InoienckÄM eum 6is PU66M geworden. So WaresLothar denn, welcher die Friedensunterhandlungen bega»

In Karls Geschichte (pp. 43 u. 45) wurde erzählt, wie in Verdun sein erster Bote durchaus nicht freundlich von den KE -