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da die Kolonie nicht unabhängig war, so stand es ihncn nicht iinmcrfrei, ihre eigenen Angelegenheiten so zu verwalten, wie sie es fürihr Interesse am Passendsten fanden.
Im Ueberflussc an guten Ländereien kommen die europäischenKolonien in Amerika und Westindien den alten griechischen gleich undübertreffen sie sogar noch. In ihrer Abhängigkeit vom Muttcrstaatesind sie den alten römischen ähnlich; nur hat ihre große Entfernungvon Europa ihncn die Wirkungen dieser Abhängigkeit mehr oderweniger erleichtert. Ihre Lage hat bewirkt, daß sie weniger unterder Aufsicht und in der Gewalt des Mutterlandes stehen. Wenn sieihre Interessen aus ihre eigene Weise verfolgten, so blieb ihr Ver-fahren in vielen Füllen unbeachtet, weil man cö in Europa ent-weder nicht kannte, oder nicht verstand; manchmal aber hat man esauch gutwillig zugelassen, weil die Entfernung es schwierig machte,sie zu hindern. Selbst die gewaltthätigc und willkührlichc spanischeRegierung sah sich öfters gezwungen, die Befehle, die sie zur Ver-waltung ihrer Kolonien gegeben hatte, aus Furcht vor einem allge-meinen Ausstände zu widerrufen und zu mildern. So ist denn derFortschritt aller europäischen Kolonie» an Reichthum, Bevölkerungund Kultur sehr groß gewesen.
Die Krone Spanien hat durch ihren Antheil an Gold undSilber von ihren Kolonien gleich vom ersten Augenblicke ihrer Ent-stehung an ein Einkommen gezogen. Es war ein Einkommen, dasseiner Natur nach bei den habsüchtigen Menschen die ausschweifend-ste» Erwartungen noch größerer Reichthümer erwecken mußte. Daherzogen die spanischen Kolonien vom Anfange ihrer Gründung an dievolle Aufmerksamkeit ihres Mutterlandes aus sich, während die Ko-lonien der übrigen europäischen Nationen lange Zeit sehr vernach-lässigt wurden. Die ersteren blühten vielleicht nicht mehr bei allerAufmerksamkeit, die letzteren nicht weniger bei aller Vernachlässigung.Nach Verhältniß der Landausdehnung sind die spanischen Kolonien,wie man annimmt, weniger bevölkert und blühend, als die Kolonienfast aller anderen Nationen; doch sind die Fortschritte in der Bevölke-rung und Kultur selbst bei den spanischen Kolonie» sehr schnell undgroß gewesen. Die Stadt Lima , die seit der Eroberung steht, sollnach Ulloa vor etwa dreißig Jahren funfzigtauscnd Einwohner gehabtIII. 14