und der erzürnte Kirchenfürst schleudert Acht und Hann auf dieHäupter der Bürger. In dieser Beziehung können sich die her-zoglichen Städte viel weniger erlauben, sie haben keine eigene’Politik, dazu sind sie zu jung und schwach, und sie teilen daherdie Geschicke des Landes und des Landesherrn.
Die Bewohner der Städte nähren sich vom Handwerk undHandel. Das ersterc beginnt sich in dieser Zeit erst völlig aus-zubilden. Eisen- und Holzindustrie ist es, die einen bedeutendenNahrungszweig bildet. Daneben tritt die Weberei auf, dickesblaues und braunes Tuch wird fabriciert, dessen Bereitung wirschon zu Zeiten Karls des Grossen und Otto I. im Schwüngesehen. Ferner war eine bayrische Tuchsorte von einer ArtNaturfarbe, aus roter, weisser und schwarzer Wolle gemischt,ihrer Haltbarkeit und Dauerhaftigkeit wegen sehr bevorzugt,während von den rheinischen Landen ein leichtes, schwarzesTuch geliefert wurde, das besonders zur Kleidung der Möncheund Nonnen Verwendung fand. Feine Leinen, Damast und Glanz-stotl'e wusste man bereits anzufertigen und wurden weit und breitgesucht, wie auch die bayerische Teppichweberei ausgebreitetenHuf bcsaBS. *)
Die Eisenindustrie lieferte Waden, vielfach wurde auch dasKohmctall aus Bayern und Kärnthen bis nach Westphalen undFlandern versandt, wo förmliche Fabriken entstanden, die Schceren,Messer und Waffen lieferten. Die Zimmerleute, die sich Gademcrnannten, waren berühmt wegen ihrer Kunstfertigkeit, die sie bei derBelagerung Mailands zu zeigen Gelegenheit hatten. Auch eigeneSchreiner (schreinaere) werden genannt. Die Schuhmacher teiltensich in die Corduaner und Schuhflicker, welche 1244 zu Regens-burg vor dem Stadtrichter haderten.**)
Gold und Silber verstand man wohl zu treiben, und bei denWerken zeigt sich Streben nach Formenrichtigkeit und Formen*Schönheit. In der Ornamentik hat man hiebei bedeutende Fort-schritte gemacht, Tier- und Menschentiguren leiden freilich oft
*) Lang, baier. Jahrb. 342.
**) Gemeiner I. 348.