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Ueber das Nervenleben : akademische Festrede zur Feier des hohen Geburtsfestes Seiner Königlichen Hoheit des Grossherzogs Ludwigs III. am 9. Juni 1874 / gehalten von Dr. C. Eckhard
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wie überall da aushelfcn müssen, wo die Einsicht in natürliche Wirkungen fehlt, so liegt dasCharacteristische dieser älteren, von Galen herrührenden Vorstellung von dem Wesen des Jn-nervationsvorgangs darin, daß dieser als eine fortschreitende Bewegung aufgefaßt wird.Abgesehen von der vorher erwähnten Thatsache, welche den Alten von den Nervenwirkungenbekannt war, mag vorzugsweise noch zu dieser Auffassung der Umstand beigetragen haben, daßin jenen Zeiten der ersten Naturbeobachtung sich fast nur gröbere fortschreitende Bewegungendarboten. Die Schwingungsbewegungen waren nur in wenigen Fällen und dazu noch sehr un-vollkommen bekannt und von der Fortpflanzung der Molekularbewegungcn hatte man vollendsgar keine Kenntniß. Die Galen'sche Vorstellung von dem Wesen des Jnuervationsvorgangeshat sich durch mehre Jahrhunderte fast unverändert erhalten. Die Worte sind wohl mehrfachmodificirt, z. B- die Galenffchen Wesen in einen Nervensaft umgewandelt worden, aber eskehrten doch immer die scheinbar gebannten Nervengeister in anderem phantastischem Anzügewieder, um von Neuem in Reih und Glied in den Nerven einhcrzuschreiten. Es hat kein In-teresse, auf diese Spielereien einzugehen; denn es ist klar, daß so lange, als nicht irgend welcheneue Erscheinungen am Nerven entdeckt wurden, die Vorstellung über die Natur des erwähntenVorgangs keine uennenswcrthen Fortschritte machen konnte. Es konnte wohl die Natur-erkenntniß, die auf anderen Gebieten Fortschritte in der Auffassung der verschiedenen Bewegungs-erscheinungen der Materie machte, zu mancherlei Vergleichen der Nervenwirknngen mit anderenBewegungsformen veranlassen, aber ohne dazu durch Erscheinungen am Nerven aufgefordertzu sein, mußten derartige Vergleiche den wahren Forscher unbefriedigt lassen. Die neue That-sache aber, welche die Unbrauchbarkeit der Galen'schen Vorstellung augenscheinlich zeigte, undsomit den Fortschritt auf unserem Gebiete anzeigte, ist Ihnen bereits bekannt. Es ist keineandere, als die von Swammerdamm gemachte Beobachtung, daß durch künstliche Reizungeines vom Körper, also auch von dem Gehirn, mit seinem Muskel getrennten Nerven der Muskelbewegt werden kann Mit dem Bekanntwerden dieser Erfahrung sah man unmittelbar ein, daßdie Bewegung eines Muskels jedesnial, so oft sie eintritt, nicht nöthig habe, von dem Gehirnher Etwas zu empfangen, mit welcher Bemerkung der bis dahin der Jnnervation ertheilteCharacter der fortschreitenden Bewegung eines gewissen, im Gehirn erzeugten Etwas erschüttertwurde. Es ist vorzugsweise diese Seite des Versuchs, die Swammerda m m interessirte, wenigerdie Folgen, die dadurch für das Gebiet der Nervcnreizung nach anderen Richtungen angebahnt wurden.Indeß waren damit die Geister aus den Nerven nicht vollständig vertrieben. Swammerdammwußte zu gut, wie Diejenigen, die keine Versuche anstellen wollen oder können, am meisten zuEinwendungen neigen, eben weil sie nicht empfunden haben, wie das Anschauen eines durch-greifenden Versuchs Hunderte von Zweifeln mit einem Schlage vernichtet und welche da nochSchwierigkeiten sehen, wo der Forscher es kaum der Mühe werth hält, daran zu denken. Ersah die Erwiderungen solcher kommen und suchte ihnen zu begegnen. Vielleicht haben Sieselbst schon daran gedacht, daß man die Bewegungen in dem erwähnten Versuche ableiten könnevon dem Reste der Geister, die sich nach der Trennung des Nerven vom Gehirn in dem