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37,36/1875 (1875) Atlasblatt Oberndorf : mit den Umgebungen von Oberndorf, Rottweil, Schramberg, Dunningen etc. / geognostisch aufgenommen Finanzrath v. Paulus und J. Hildenbrand. Beschrieben von Finanzrath v. Paulus
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und behalten ihren wildromantischen Charakter, der nur in der Nähe von Schramberg , wo das Rothliegende so mächtiganschwillt und die primitiven Gebirge zurückdrängt, sich eine Strecke weit mildert.

Ganz anders verhält es sich auf der rechten Seite der Schiltach ; hier erhebt sich der Buntsandstein überden primitiven Gebirgen und über dem Rothliegenden zwar auch in steiler hoher Terrasse, dagegen nicht mehr ver-einzelt, sondern zusammenhängend und bildet dort eine von unbedeutenden Mulden, Rinnen und moorgründigen Tbälchendurchzogene Hochebene, die sich allmählig in östlicher Richtung verflacht und gegen das Muschelkalkland ausläuft.

Ausser der Terrainbildung bedingen die geognostischen Verhältnisse das landschaftliche Bild, die Güteund den Reichthum oder die Armut der Gewässer, den Boden, die Vegetation und endlich die Ansiedlung undBeschäftigung des Menschen.

Ehe wir daher den in unser Blatt Oberndorf fallenden Theil des Schwarzwaldes verlassen, wollen wir den-selben auch in diesen Beziehungen etwas näher betrachten.

Die Naturschönheiten und landschaftlichen Reize einer urkräftigen Gebirgsnatur treffen wir hier auf einemkleinen Raum zusammengedrängt, wie wir ihn in Württemberg vergebens wieder suchen.

Wandern wir durch das zwischen hohen bewaldeten Gneis- und Granitbergen sich mit lichtgrünem Wiesen-grund ziehende Kinzigthal herunter an der malerisch im Thal gelegenen Ruine Schenkenzell vorüber nach demStädtchen Schiltach, das an der Einmündung der Schiltach in die Kinzig so freundlich hingebaut ist. Von hier ziehtsich das enge Schiltachthal tief und viel gekrümmt in unser Atlasblatt hinein und bietet mit seinen schluchtenartigenNebenthälern einen grossen Reichthum von den ansprechendsten malerischesten Partieen. Anfänglich bringt in dasThal auf einer Strecke von etwa zwei Stunden in der Länge nur die durchführende Landstrasse und die munterdahinrauschende Schiltach einiges Leben und bietet nirgends eine Stelle, wo sich der Mensch in Orten ansiedelnkonnte; nur einige einzeln stehende im freundlichen Gebirgsstil erbaute Häuser und Mühlen lagern sich theils inder schmalen Thalebene oder an den unteren Ausläufern der zu beiden Thalseiten sich grossartig erhebenden, mitherrlichen Felsgruppen gezierten Waldgehänge. Einen reizenden Anblick bildet die auf einem felsigen Gebirgs-vorsprung sich erhebende Ruine Schiiteck, gar lieblich in das Thal herabgrüssend. Von hier eine kurze Streckethalaufwärts verschwinden die Felspartieen, und in einer von hohen, wohlgerundeten Bergen (Rotliliegendes) umge-benen Thalerweiterung, bei der drei tiefe Thäler Zusammentreffen, überrascht plözlich das ansehnliche, gewerbreiche,hauptsächlich Uhren, Porzellan und Strohwaren fabricirende Schramberg und unterbricht aufs Lebhafteste die abge-schiedene Stille des Thals. Zunächst der Stadt schaut von dem hochansteigenden Schlossberge die gewaltige Ruineder ehemaligen Burg Schramberg gebieterisch herunter.

Wenden wir uns zuerst um den Schlossberg und dann in das enge waldreiche Lauterbachthal, das vonWesten her in das Schiltachthal einbiegt, so erscheinen plözlich wieder die hochaufstrebeuden Granitfelsen und diescharf geschnittenen Granitberge, und man sieht sich abermals in eine wildromantische Gebirgsgegend versezt. Inder schmalen Thalebene rauscht über mächtige Felsblöcke der rüstige und klare Lauterbach, und tief hinten imThale ist das anmuthige Lauterbach mit seiner auf einem vorgeschobenen Granithügel gelegenen Kirche in das engeWaldthal eingezwängt. Wie in Schramberg , so bildet auch in Lauterbach die Haupterwerbsquelle das Gewerbe,während der Feldbau eine ganz untergeordnete Rolle spielt und sich wegen des durchaus steilen und felsigen Terrainshier nicht einbürgern konnte. Wegen dieses Mangels an Ackerfläche finden wir in der ganzen Gruppe der primitivenGebirge nur die beiden Orte Schramberg und Lauterbach, und diese selbst sind genöthigt, ihr Auskommen in demGewerbebetrieb zu suchen, wozu ihnen die aus den vielen Thälern und Schluchten hervordringenden Gewässer hilf-reich die Hand bieten.

Noch grossartiger und urkräftiger als in dem Lauterbachthal ist in der sog. Berneck (oberes Schiltachthal)der vollendete Charakter eines Gebirgsthales ausgesprochen; gleich beim Eintritt in das enge tief eingefurchte Wald-thal erhebt sich majestätisch eine zackige Felsengruppe mit den malerischen Trümmern der Burg Falkenstein; anderen Fuss liegt das bescheidene Schramberger Bad, die einzige menschliche Wohnung in der engen abgeschiedenenThalschlucht, in der man nur noch das Rauschen der in jugendlicher Wildheit über Granitblöcke hinstürmendenSchiltach vernimmt. Weiter thalaufwärts drängen von beiden Seiten her seltsam geformte, groteske Granit- undPorphyrfelsen heran und starren wild verworren, Thürmen ähnlich, in die Höhe; auf einem der kühnsten stand einstdie Burg Berneck. Gegenüber hat die jugendkräftige Schiltach eine Felswand unterwühlt und sich hier zu einemBecken geschwellt, das von dem überhängenden Steinkoloss ernst beschattet und die Teufelsküche genannt wird.Gegen oben nimmt das Thal allmählig einen etwas milderen Charakter an, bis es endlich viel verzweigt auf derPlochebene ausläuft.

Ueberdies entfaltet sich in diesen Thälern in seltener Schönheit eine mannigfaltige Vegetation; zwischenden starren Felsen drängt sich, wo nur immer eine Lücke, der wild verwachsene Wald bis zu den muntern Bächenherab, an denen sich wasserliebende Pflanzen angesiedelt haben und ihre breiten Blätter und saftigen Stengel invollster Ueppigkeit entfalten. Selbst die Felsen sind von Flechten und Moosen überzogen und prachtvoll gefärbt.