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37,36/1875 (1875) Atlasblatt Oberndorf : mit den Umgebungen von Oberndorf, Rottweil, Schramberg, Dunningen etc. / geognostisch aufgenommen Finanzrath v. Paulus und J. Hildenbrand. Beschrieben von Finanzrath v. Paulus
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Nachdem wir im allgemeinen den topographisch-geologischen Ueberblick zu dem geognostisch bearbeitetenAtlasblatt Oberndorf kurz gegeben haben, gehen wir zu den geognostischen Verhältnissen in ihren Einzelnheitenüber, und verweisen über deren Verbreitung auf unser geognostisch kolorirtes Blatt.

In der Reihen- und Altersfolge erscheinen zu unterst die primitiven Gebirgsarten, die geschichteten underuptiven Silikatgebirge (Gneiss, Granit und Porphyr).

1. Der Gneiss kommt in unserem Blatt nur bei Schenkenzell und auf den Höhen nördlich von Schiltach vor; er greift demnach nicht mehr in den württembergischen Antheil des Blatts Oberndorf ein, dagegen erscheint insehr namhafter Verbreitung

2. der Granit; abgesehen von den Mengen-Verhältnissen der einzelnen Bestandtheile ist derselbe vorherr-schend von mittlerem Korn und graulichweisser Farbe, Ausnahmen machen ein grobkörniger Granit wie z. B. imRansteiner Loch und im Sulzbach, der Mühlsteingranit mit vorherrschend weisser Farbe, am schönsten im Steifenslochvorkommend, und der rothe Granit in der Berneck, im Schiltach- und Lauterbach-Thale . Der weisse Granit wirdhauptsächlich zu Mühlsteinen für die Steingutfabrik in Schramberg verwendet; er enthält weissen Quarz, zweierleiFeldspat, worunter der weisse über den rothen vorherrscht, überdies schwarzen, schön glänzenden Glimmer undnicht selten schwarze Hornblende und Turmalin in schwarzen Nadclbüscheln. In dem rothen Granit herrscht fleisch -rother Feldspat vor, der Quarz ist weiss, Glimmer selten, dagegen Hornblende häufig. Der rothe Granit, welcherhäufig zu Strassenmaterial verwendet wird, verwittert leichter und ist desshalb an der Oberfläche vielfach mitschmutzig-rothem Thon überzogen.

Der Granit wird in dem Quellengebiet der Schiltach , wie auf den Höhen der linken Seite des Kinzig-Thaies,häufig von Porphyrgängen durchsetzt. Ein besonders interessantes Vorkommen desr Porphyrs finden wir ! / 4 Stundeunterhalb Schramberg , wo ein Porphyrgang quer das Schiltachthal durchsezt und zu beiden Seiten an den steilenGranitwänden ziemlich hoch hinan zieht.

Zunächst (unterhalb) desselben steigen auf der linken Seite der Schiltach vor der Thalsohle zwei je 25'breite Porphyrgänge, die sich jedoch bald vereinigen, bis zur Ruine Schiiteck hinauf, wo der Granit von dem Porphyrnoch etwa 10' überragt wird. Noch grossartiger tritt der Porphyr */s Stunde westlich von Schramberg auf; hierdurchsezt er quer als massenhafter Gang das Lauterbachthal und steigt einerseits bis auf die Höhe hinter der BurgSchramberg, andererseits bis auf den Gebirgsvorsprung östlich von Theuringsreute. Ueberdies kommen noch vielemehr oder minder beträchtliche Porphyrgänge vor, von denen einzelne gegen oben spiz zulaufen, andere trichter-förmig, gegen unten spiz laufend, in den Granit eingekeilt sind.

Zunächst dieser Porphyrgänge erscheint meist ein feinkörniger Granit, ein höflicher Granit, wie ihn derBergmann nennt. Die Porphyre sind sogenannte regenerirte Porphyre; sie enthalten in der Grundmasse, ausser denwasserhellen Quarzkörnern, schmuzig rothe und weisse Feldspatkrystalle in Bruchstücken, häufiger noch Pinitoid,Hornblende und Glimmer. Die Farbe der Porphyre ist vorherrschend eine röthliche, die zuweilen in eine blaue, graueund grünliche übergeht.

Die Zerklüftung der primitiven Gebirge ist sehr verschieden und die Spalten laufen selten parallel; imallgemeinen hat man ein Streichen zwischen der 10. und 2. Stunde wahrgenommen.

Die zwischen dem Urgebirge und dem rothen Todtliegendcn in anderen Gegenden vorkommenden Gebirgs-formationen fehlen bekanntlich in Württemberg oder sie gehen wenigstens nicht zu Tage, und nur unser AtlasblattOberndorf bewahrt bei dem Hammerwerk unterhalb Schramberg eine einzige Stelle, wo

3. die Kohlenformation dem Granit angelagert ist, oder vielmehr mit dem Granit in die Höbe getriebenwurde, was sich aus der aufgerichteten 2230° geneigten Schichtenstellung folgern lässt.

Bei der Hammerschmiede unterhalb Schramberg erscheinen nämlich unter sehr gestörten Verhältnissen aufeinem beschränkten Raum weissliche Sandsteine und schwarze Scliieferthone mit verschiedenen Nuancirungen; wennman die Schiefer spaltet, zeigen sich versteinerte Pflanzen, hauptsächlich Farnkräuter und Nadelhölzer, wie sie derSteinkohlenformation eigen sind. Dieses Vorkommen, das einzige bis jezt in Württemberg bekannte, gab nun Veran-anlassung zu Untersuchungen und Bohrversuchen auf Steinkohlen.

Schon im Jahr 1831 wurde gerade an der Stelle, wo die Kohlenformation zu Tage geht, am Abhange überder Thalsohle ein Stollen in einen grauen grobkörnigen Sandstein getrieben, welcher mit 10 Lachtern den sogenanntenKohlensandstein mit Einschlüssen von Kohleutheilen und Pflanzenresten, mit 13 Lachtern die ersten Scbieferthon-schichten erreichte; die Schichten zeigten eine Neigung von 2230° nach Mittag und lagern sich gegen Norden anden nahen Granit an. Wasserzudrang und schlechte Wetter liessen nicht weiter Vordringen.

Ein in den Jahren 183436 am Ende des Schlossgartens angestellter Bohrversuch lieferte folgende Ergeb-nisse: schon beim Abteufeu des Bohrschachts kam das rothe Todtliegende (Rothliegeude) mit schwachen Dolomit-schichten zum Vorschein; in einer Tiefe von 459' erreichte man einen quarzreichen weissen Sandstein, der fürKohlensandstein angesehen wurde, bei 527' einen feinkörnigen grauen Sandstein mit schwachen Schichten eines mehr