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37,36/1875 (1875) Atlasblatt Oberndorf : mit den Umgebungen von Oberndorf, Rottweil, Schramberg, Dunningen etc. / geognostisch aufgenommen Finanzrath v. Paulus und J. Hildenbrand. Beschrieben von Finanzrath v. Paulus
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Was endlich die Erhebung über das Meer der Gebirgsformationen mit ihren untergeordneten Schichten,das Einfallen und die Mächtigkeiten derselben auf dem Atlasblatt Oberndorf betrifft, so finden wir im allgemeinendieselben Verhältnisse, wie bei den übrigen Schwarzwaldblättern, nämlich ein starkes Einfallen gegen Osten undzugleich gegen Südosten; einige Beispiele mögen dies bekräftigen.

Im Göttelbach, 1 j i Stunde östlich von Schramberg , erhebt sich das Hängende des Rothliegenden 1923', imBohrloch bei Oberndorf wurde es bei 906' ü. d. M. erreicht, woraus sich ein Einfallen gegen Nordosten auf eine Entfer-nung von 3*/ 4 Stunden von 1017' ergibt.

Die Mächtigkeit des Todtliegenden beträgt bei Schramberg 1661' (ohne den Jaspisdolomit), in dem Bohrlochbei Dunningen nur 354', in dem Bohrloch bei Oberndorf wurde bis jezt eine Mächtigkeit von 980' gefunden, jedochdas Liegende des Todtliegenden noch nicht erreicht.

Auch an den übrigen Stellen unseres Blatts, wo das Todtliegende zu Tage geht, ist mit Ausnahme beiSchramberg die Mächtigkeit desselben nicht bedeutend, öfters sogar sehr gering und scheint an mehreren Stellenganz zu fehlen oder durch eine Arkose vertreten zu sein. Nach diesen Vorkommnissen scheint das Todtliegendeauch bei Oberndorf wie bei Schramberg Gebirgsspalten auszufüllen, während dies bei Dunningen nicht der Fall ist.

Der Dolomit mit Jaspis erreicht im Bohrloch bei Dunningen eine Höhe über dem Meere mit 1844', in demBohrloch bei Oberndorf eine von 1056', das östliche Einfällen desselben beträgt daher auf 2^2 Stunden Entfernung788'. Die Mächtigkeit des Jaspisdolomits beträgt im Bohrloch bei Dunningen 58' und im Bohrloch bei Oberndorf 150'.

Der Buntsandstein liegt auf dem eine Stunde westlich von Schramberg gelegenen Mooswald 3074' undbildet in unserem Blatt die grösste Erhebung über der Meeresfläche; in dem Bohrloch bei Dunningen erhebt sich derBuntsandstein nur bis zu 2305' ü. d. M., somit ein Einfallen gegen Osten auf 2 3 / 4 Stunden von 769'. Hiebei ist nochzu bemerken, dass dem Buntsandstein auf dem Mooswald die oberen Schichten (der Schieferletten und der Thon-sandstein) fehlen und das Hängende desselben aus quarzreichem Sandstein besteht, während bei Dunningen diesebeiden Schichten vorhanden sind und das Hängende des quarzreichen Sandsteins 154' tiefer liegt als das des Thon-sandsteins; demnach würde das Einfallen des grobkörnigen quarzreichen Sandsteins 923' betragen.

Im Bohrloch bei Oberndorf erhebt sich der Buntsandstein 1610' über das Meer, das Einfallen desselbengegen Osten beträgt daher vom Bohrloch bei Dunningen bis zu dem bei Oberndorf auf 2 1 / 2 Stunden Entfernung 695'.Hieraus ist ersichtlich, dass sich das Einfallen des Buntsandsteins in der Richtung gegen Osten allmählig vermindert.Dagegen zeigt sich in dieser Richtung eine allmählige Zunahme in der Mächtigkeit des Buntsandsteins, indem er imWesten unseres Blatts etwa 450' mächtig erscheint, wurde er im Bohrloch bei Dunningen 495' und im Bohrloch beiOberndorf 553' mächtig gefunden; im Bohrloch bei Dürrmenz aber ist der Buntsandstein in einer Mächtigkeit von1558' durchsunken worden.

Der Wellendolomit erhebt sich auf dem Hochberg 4 / 2 Stunde westlich von Rothenberg 2471' ü. d. M., beiOberndorf etwa 1709' (nicht gemessen), das Einfallen desselben gegen Osten beträgt daher auf die Entfernung von3 Stunden 762'. Die Mächtigkeit des Wellendolomits beträgt 100200', bei Oberndorf 130', bei Horgen 200' etc.

Praktische Umschau.

Wie schon oben gezeigt wurde, stehen die Terrain- und landschaftlichen Verhältnisse einer Gegend infolgerichtiger Verbindung mit den zu Tage gehenden Gebirgsformationen und deren Schichtengliedern; allein nichtblos diese, sondern auch die Menge und die Güte der Gewässer, die Bodenverhältnisse und in Folge derselben derAnbau, die Gewerbe, mit einem Wort die Kulturverhältnisse, die Ansiedlung der Menschen etc. wurzeln in den geo-gnostischen Verhältnissen.

Von dieser praktischen Seite wollen wir nun das Atlasblatt Oberndorf noch etwas näher betrachten.

Die primitiven Gebirgsarten (Granit, Gneiss etc.), deren Zersezungen, insbesondere die des Granits, sehrrasch von statten gehen und einen humushaltigen, an Kalisalzen reichen kulturfähigen Boden liefern, können inunserem Blatt wegen ihrer meist sehr steilen, öfters unzugänglichen Lage für die Landwirthschaft wenig benüztwerden, dagegen dienen sie hier mit Vortheil dem Waldbau. Ueberdies liefern die primitiven Gebirge ein vortreff-liches Strassenmaterial und den Granit benüzt man zu Pflastersteinen, verfertigt aus ihm Grabmonumente, Brunnen-tröge, Säulen, Hausstaffeln, Marksteine, etc.

Bei Schramberg werden aus einem besonders quarzreichen Granit vortreffliche Mühlsteine gewonnen. DerPorphyr wird bei Schramberg zu Strassenmaterial abgebaut.

Bei Schramberg , namentlich an dem Schiiteckberg, wurde in alten Zeiten in dem Granit Erz gewonnen; esscheint ein geringhaltiges Eisenerz (Eisenglimmer) gewesen zu sein, das in dem unterhalb der Stadt bestandenen,längst abgegangenen Schmelzwerk verhüttet wurde.