Buch 
Von deutscher Republik / Thomas Mann
Entstehung
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ob seines „Wandels“ loben, wie Denen, die ihn dafür des Verrates amDeutschtum zeihen, antworten darf: Dieser republikanische Zuspruchsetzt die Linie der „Betrachtungen“ genau und ohne Bruch ins Heutigefort, und seine Gesinnung ist unverwechselt, unverleugnet die jenesBuches: diejenige deutscher Menschlichkeit. Um ihretwillen hat derVerfasser mit vollkommener Geduld sich einen Reaktionär scheltenlassen; er will’s überleben, daß man ihn heute als Jakobiner verruftum ihretwillen. Seine zweimalige Oppositionsstellung in der Zeit abersollte zum mindesten auf einige Unabhängigkeit seines Gewissensschließen lassen und ihn gegen den Vorwurf schützen, er gebe charakter-weich dem Einflüsse irgendwelcher Kreise und Umgebungen nach oderhänge das Mäntelchen behend nach dem Winde.

Ich glaubte, ein wenig helfen zu können mit dieser kleinen Aktion,die zur Aktion eben dadurch werden mochte, daß ich es war, dersie unternahm; glaubte, etwas wie ein Beispiel geben zu können da-durch, daß ich, der notorische und eingetragene „Bürger“, mich mitEntschluß auf die Seite der Republik stellte; und diese Einbildungwar es auch, die mich vermöchte, einmal den Mann der Versammlungzu spielen und das Geschriebene im Saale persönlich zu vertreten.Daß dies ein Fehler war, ist ausgemacht. Denn so wurde die Sachevorzeitig der Presse überantwortet, die sie nach ihrer Art behandelte,einer schlimmen, ungenauen Art in manchem Falle, zusammengesetzt —Gott allein weiß, zu welchem Teile aus Ungeschick und zu welchemaus bösem Willen. Da wurde gemeldet, ich hätte gesagt, die Republiksei kein Ergebnis des Niederbruchs, sondern ein solches, der Erhebungund der Ehre und damit punktum. Was ich gesagt habe, wird hiernoch einmal vorgelegt. Ich habe die „Republik “ nicht von 1918,von 1914 habe ich sie datiert: damals, in der Stunde totbereitenAufbruchs, habe sie in den Herzen der Jugend sich hergestellt! Da-mit war etwas zur Bestimmung dessen geschehen, was ich unter Repu-blik verstehe, — wie ich ja denn überhaupt die Republik nicht habehoch leben lassen, bevor ich sie definiert hatte, — nicht als etwas,was sei, sondern als etwas, was zu schaffen sei. Der Versuch aber,und sollte er auch mit unzulänglichen Mitteln unternommen sein, zudieser notwendigen Schöpfung geistig beizutragen und einem unseligenStaatswesen, das keine Bürger hat, etwas wie Idee, Seele, Lebensgeisteinzuflößen, — verdient, wie mir auch nach hundert Nackenschlägennoch scheinen will, keinen Schimpf.

München , Dezember 1922

Thomas Mann