ist mehr als Fabrik verwaltet worden als Preußen seit FriedrichWilhelms des Ersten Tode. So nötig vielleicht eine solche maschi-nistische Administration zur physischen Gesundheit, Stärkung undGewandtheit des Staates sein mag, so geht doch der Staat, wenn erbloß auf diese Art behandelt wird, im Wesentlichen darüber zuGrunde. Das Prinzip des alten berühmten Systems ist, jeden durchEigennutz an den Staat zu binden. Die klugen Politiker hatten dasIdeal eines Staates vor sich, wo das Interesse des Staats eigennützigwie das der Untertanen, so künstlich jedoch mit demselben verknüpftwäre, daß beide einander wechselseitig beförderten. An diese poli-tische Quadratur des Zirkels ist sehr viel Mühe gewandt worden:aber der rohe Eigennutz scheint durchaus unermeßlich, antisystematischzu sein. Er hat sich durchaus nicht beschränken lassen, was dochdie Natur jeder Staatseinrichtung notwendig erfordert. Indeß ist durchdiese förmliche Aufnahme des gemeinen Egoismus als Prinzip ein un-geheurer Schade geschehen, und der Keim der Revolutionunserer Tage liegt nirgends als hier.“ — Das ist nicht Schwär-merei, es ist die nüchterne und wirkliche, uns nur zu geläufige Wahr-heit. Und ebenso wenig ist es Poesie und Mystik, sondern hat dengesündesten, kräftigsten und männlichsten Sinn, wenn Novalis unszuruft: „Dies ist freilich besser in Republiken, wo der Staat dieHauptangelegenheit jeder Person ist, und jeder sein Dasein und seineBedürfnisse, seine Tätigkeiten und seine Einsichten mit denen einerweitverbreiteten Gesellschaft verbunden, sein Leben an ein gewaltigesLeben geknüpft fühlt, so mit großen Gegenständen seine Phantasieund seinen Verstand ausweitet und übt und beinah unwillkürlich seinenges Selbst über das ungeheure Ganze vergessen muß.“
Sollte man glauben, die Stimme eines Romantikers zu hören?Dieser demokratische Pluralism enträt jeder metaphysischen Schwüle,er ist von fast amerikanischer Frische, von vollkommen pädagogischerTauglichkeit, — jeder rechtschaffene Knabe wird sich empfänglichdafür erweisen. Überhaupt aber bestehen in Hinsicht auf das Wesender Romantik populäre und mondscheinhafte Vorurteile, die zu wider-legen man jede Gelegenheit ergreifen muß. Dichtung und Kunstetwa, romantische Dichtung wenigstens, deutsche Kunst, — nichtwahr, sie sind doch Traum, Einfalt, Gefühl oder noch besser „Gemüt“;sie haben mit „Intellekt“ den Teufel etwas zu schaffen, welcher viel-mehr, ganz ähnlich wie die Republik , als eine Angelegenheit scharferJudenjungen durchaus zu erachten und patriotisch zu mißbilligen ist.