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Königliche Hoheit : Roman / von Thomas Mann
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360
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Strolche unterrichtet und nebenbei für sich selbst gearbeitet,sich den Leibgurt enger gezogen und fetten BürgerkindernPrivatstunden erteilt hatte, um sich Bücher kaufen zukönnen. Immer die Hände auf dem Rücken und denBart auf der Brust, erzählte der Doktor in kurzan-gebundenem und scharfem Tone davon, indem er zwischenden einzelnen Säßen fest die Lippen zusammenpreßte.

Damals hatte das Schicksal ihn unaussprechlich festmit einem Weibe verbunden, einer schönen, weißen Frau,welche die Gattin eines edelsinnigen und achtenswertenMannes und Mutter dreier Kinder war. Er war alsPräzeptor der Kinder in das Haus gekommen, war aberspäter häufiger Tischgast und Hausfreund geworden, undauch mit dem Manne hatte er herzliche Empfindungengetauscht. Das zwischen dem jungen Lehrer und derweißen Frau war lange unbewußt und länger noch stummund unterhalb aller Worte geblieben; aber es war imSchweigen erstarkt und übermächtig geworden, und ineiner Abendstunde, als der Gatte sich in Geschäften ver-weilt hatte, einer heißen, süßen, gefährlichen Stunde, dawar es in Flammen ausgebrochen und hätte sie fast be-täubt. So hatte denn nun ihr Verlangen geschrien nachdem Glück, dem gewaltigen Glück ihrer Vereinigung;allein hie und da, bemerkte Doktor Überbein, kamen inder Welt anständige Handlungen vor. Sie waren sich zuschade gewesen, sagte er, um den gemeinen und lächerlichenWeg des Betruges einzuschlagen, und vor den arglosenGattenhinzutreten", wie man wohl sagt, und sein Lebenzu zerstören, indem sie mit dem Rechte der Leidenschaftdie Freiheit von ihm forderten, war gleichfalls nicht ganz