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Königliche Hoheit : Roman / von Thomas Mann
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stimmte Absichten?" Lange, versetzte Herr von Knobels-dorff, handelte er planlos lind lediglich seinem Herzen zu-liebe; aber seitdem er sich mit dem Volke auf dem Bodendes Wirklichen gefunden, haben seine Wünsche praktischeGestalt gewonnen.Und das alles will also sagen, daßdas Publikum die Schritte des Prinzen billigt?" Daßes sie akklamiert, Königliche Hoheit, daß es die innigstenHoffnungen darauf setzt!

Und nun entrollte Herr von Knobelsdorff noch einmaldas dunkle Bild von der Lage des Landes, von der Not,von der großen, großen Verlegenheit. Wo war Abhilfeund Heilung? Dort war sie, einzig dort, im Stadtpark,in dem zweiten Zentrum der Residenz, an dem Wohnsitzdes kränkelnden Geldfürsten, unseres Gastes und Ein-wohners, dessen Person das Volk mit seinen Träumenumspann, und für den es ein Kleines sein würde, allenunseren Mißhelligkeiten ein Ende zu bereiten. Wenn erzu bestimmen war, sich unserer Staatswirtschaft anzu-nehmen, so war ihre Gesundung gesichert. Würde er zubestimmen sein? Aber das Schicksal hatte eine Gefühls-begegnung zwischen der einzigen Tochter des Gewaltigenund dem Prinzen Klaus Heinrich herbeigeführt! Unddieser weisen und gütigen Fügung sollte man trotzen?Starrer und abgelebter Herkömmlichkeiten wegen sollteman eine Verbindung hintanhalten, die für Land undVolk so ungemefsenen Segen in sich schloß? Denn daßsie das tue, war freilich vorauszusetzen, und darin beruhteihre Rechtfertigung und hohe Gültigkeit. War aber dieseBedingung erfüllt, fand Samuel Spoelmann sich, um esgerade herauszusagen, zur Finanzierung des Staates be-

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