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schlafenen Gattin verbracht, und auch Christian imHamburger Krankenhause besucht hatte . . . undjetzt, da der Pastor seit zwei Tagen sich wieder inseiner Heimat befand, hatte die Konsulin ihremSohne mit ersichtlichem Zögern diese Eröffnung ge-macht . . .
„Hundert - sieben-und-zwanzig-tausend-fünf - hun-dert Courantmark!" rief er und schüttelte die ge-falteten Hände vor seinem Gesicht. „Sei's um dieMitgift! Hätte er doch die Achtzigtausend behaltenmögen, obgleich kein Kind vorhanden ist! Aber dasErbe! Claras Erbe ihm zuzusprechen! Und dufragst mich nicht! Du gehst über mich hinweg!..
„Thomas, um Christi willen, laß mir Gerechtig-keit widerfahren! Konnte ich denn anders? Konnteich es denn?! . . . Sie, die nun bei Gott, und alldem entrückt ist, sie schreibt mir von ihrem Sterbe-bette aus . . . mit Bleistift . . . mit zitternder Hand. . . Mutter', schreibt sie, ,wir werden uns hierunten niemals wiedersehen, und dies sind, das fühleich so deutlich, meine letzten Zeilen . . . Mit meinemletzten Bewußtsein schreibe ich sie, das meinem Mannegilt. . . Gott hat uns nicht mit Kindern gesegnet;aber was mein gewesen wäre, wenn ich Dich überlebthätte, laß es, wenn Du mir dereinst dorthin nach-folgst — laß es ihm zufallen, damit er es zuseinen Lebzeiten genieße! Mutter, es ist meine letzteBitte ... die Bitte einer Sterbenden . . . Du wirstsie mir nicht abschlagen. . .' Nein, Thomas! ichhabe sie ihr nicht abgeschlagen; ich konnte es nicht!