hatte sie aus exotischem Trieb ersehnt und erbeten, dieseseltsame Betöruug, man liebte sie, sicher, man trank, manbetrank und vergaß sich darin; man war bereits Moralistgenug, sich ihr hinzugeben. Aber war sie das eigentlichRechte, Gute und Angemessene? Brach man nicht hernachzu Hause zuweilen in Tränen aus? Was war das? Un-fähigkeit zur Alltäglichkeit, nachdem man die Schönheit er-kannt, oder Katzenjammer und Neue nach einer zehrendenZerstreuung, an welcher die Beine, die idealen Beine viel-leicht bereits ihren Anteil gehabt? . . . Hak je das Spek-takel die reine, heitere, vertrauenswürdige, kraftweckende,krastbildende Wirkung geübt, die Grimms und AndersensMärchen, Reuter und Dossens Homerübersetzung übten?Niemals!
Aber später war Gerhäuser am Stadttheater. Er sang,mit seiner impetuosen Inbrunst, den Tannhäuser . Er sangjeden zweiten Abend den Lohengrin . Er kam im Sturmder Instrumente ein wenig ruckweise herangeschwommenund sang mit weichen Bewegungen: „Nun sei bedankt."Er kam mit leise klirrenden Schritten nach vorn, er sang:„Heil, König Heinrich!", und seine Stimme klang wie einesilberne Trompete. Es war damals, daß mir zuerst dieKunst Richard Wagners entgegentrat, diese moderne Kunst,die man erlebt, erkannt haben muß, wenn man von unsererZeit irgend etwas verstehen will. Und dieses ungeheureund fragwürdige Werk, das zu erleben und zu erkennen ichnicht satt werde, dieser kluge und sinnige, sehnsüchtige undabgefeimte Zauber, diese fixierte theatralische Improvisation,die außerhalb des Theaters nicht vorhanden ist, — sie istes in der Tat, und sie allein, die mich auf Lebenszeit demTheater verbindet. Daß nian die dramatischen Dichter,