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Bemühungen : neue Folge der gesammelten Abhandlungen und kleinen Aufsätze / Thomas Mann
Entstehung
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10
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jenei. Miene eines Reichsstadt-Syndikus, hinter der er, wieglaubwürdig bezeugt ist. Verlegen heil verbarg, vorihnen stehenund fragte sie nach Namen und Begehr — wahrscheinlichnach beidem zugleich, was, wenn es so geschah, wiederum sehrstreng wirkte und kaum zu beantworten war. Da sie dennetwas gestammelt hatten, empfahl ihnen der Alte, fleißig inihren Studien zu sein, was sie sich dahin übersetzen mochten:rötlicher, als hier Maulafsen feilzuhalten, sei es für sie, sichhinter ihre Schulaufgaben zu setzen — und ging weiter.

So lief das ab — es war im Jahre 1828. — DreiunddreißigJahre später, eines Mittags um ein Uhr, wollte Stötzer, derunterdessen ein tüchtiger, seinem Berufe in Liebe ergebenerMittelschullehrer geworden war, eben den Unterricht in derzweiten Klasse beginnen, als ein Schüler des Seminars denKopf durch die Tür steckte und meldete, ein Fremder wünscheHerrn Stötzer zu sehen. Dieser Fremde trat denn auch ohneweiteres ein, bedeutend jünger als der Lehrer, mit nicht sehrstarkem Vollbart, vortretenden Backenknochen, kleinen, grauenAugen und einem Paar Falten zwischen den dunklen Brauen.Er unterließ es, sich auszuweisen oder vorzustellen, sondernfragte sofort, worin heute nachmittag unterrichtet werde; undals er erfuhr, daß erst Geschichte, dann deutsche Sprache daransei, fand er das ausgezeichnet und sagte, er habe die Schulenvon Süddeutschland, Frankreich und England besucht undmöchte nun auch die von Norddeutschland kennenlernen. Ersprach wie ein Deutscher. Man mußte ihn für einen Lehrerhalten, auf Grund der sachkundigen und interessierten Fragenund Äußerungen, die er tat, indem er beständig Aufzeichnungenin sein Notizbuch machte. Er wohnte der Schulstunde bei. Alsdie Kinder einen Aufsatz, einen Brief über irgendein Thema inihreHefte geschrieben hatten, verlangte der Fremde, die „Kom-