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Bemühungen : neue Folge der gesammelten Abhandlungen und kleinen Aufsätze / Thomas Mann
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„eten Männern, in denen, wie wir fanden, wichtige Elementevon Rousseaus Wesen sich wiederholen. Denn diese waren nichtsentimentalisch; sie hatten kaum Anlaß, sich nach Natur zu seh-nen, sie selbst waren Natur. Ihr Bund mit derNatur war nichteinseitig, wie bei Rousseau , oder, wenn doch, so umgekehrt, aufentgegengesetzte Weise: die Natur war es, die sie, ihre begün-stigten Kinder, liebte und hielt, und sie ihrerseits, gewissermaßen,strebten von ihr, aus der Dumpfheit und Gebundenheit desNaturhaften fort — mit unterschiedlichem Erfolge, muß mansagen, sowohl, wenn man jeden für sich betrachtet, als auch,wenn man beide miteinander vergleicht. „So bin ich", bekenntGoethe, „bei meinen tausend Gedanken wieder zum Kinde her-abgesetzt, unbekannt mit dem Augenblick, dunkel über michselbst." Und an Schiller , den Sänger höchster Freiheit, schreibter: „Wie groß der Vorteil Ihrer Teilnehmung für mich seinwird, werden Sie bald sehen, wenn Sie bei näherer Bekannt-schaft eine Art Dunkelheit und Zaudern bei mir entdecken, überdie ich nicht Herr werden kann." Immerhin darf man ur-teilen, daß Goethes hochhumanistisches Bestreben, „aus einemdunklen Produkt der Natur ein klares Produkt seiner selbst,d.h. der Vernunft zu werden und so des Daseins Beruf undPflicht zu erfüllen," wie Riemer es so außerordentlich schönausdrückt, von reinerem Erfolge gekrönt war als der Versuchdes Grafen Leo Nikolajewitsch Tolstoi , sein Leben „in dasheilige Leben unseres gebenedeiten Vaters, des Bojaren Lew,umzuwandeln," wie Gorki sagt. Dieser Prozeß der Selbstver-christlichung und Selbstkanonisierung eines bis zur Göttlichkeitnaturgeliebten Menschen- und Künstlertums war ein recht un-geschickter Vergeistigungsversuch und trotz großer populärerErfolge bei den Angelsachsen für die Betrachtung eher peinlichals beglückend, im Vergleich mit der hohen Bemühung Goethes .