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Ueber das technische Schul- und Vereinswesen Frankreichs / von Wilhelm von Nördling
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Baumeister gothischer Kirchen, und Hüttenmänner, Papiermüller undSchiffbauer, Seehafen- und Eisenbahn-Ingenieure u. s. w. haben nurwenige Berührungspunkte, nur wenige Gegenstände gemeinsamerErfahrung und Studien.

Die Ehre, einem Vereine anzugehören oder ihm vorzustehen,wird um so grösser sein, je weniger sonstige constituirte und all-gemein geachtete technische Körperschaften in dem Lande bestehen,und umgekehrt. In England und Amerika, wo es keine hervorragendetechnische Bildungsanstalten, keine officielle Civil-Ingenieurcorpsgiebt, dienen die Vereine gewissermassen als Werthmesser dereinzelnen Techniker. In Frankreich, wo die Eigenschaft, die so be-liebte Qualification eines Anden e'leve de lEcole polytechniqne, delEcole centrale, de lEcole de Chalons u. s. w. dem einzelnen Zöglingbis ins Grab angeheftet bleibt und ihm einen ebenso präcisen Werthverleiht, wie die Fabriksmarke einer allbekannten Firma; in Frank-reich, wo die hierarchischen Grade der constituirten historischenCorps und der grossen industriellen Unternehmungen der Neuzeit sobekannt und unangefochten sind, wie die Grade des Officierscorps,dort bedarf es eines weiteren Werthmessers nicht und die Vereins-würden werden durch die Corpswürden und die industriellen Func-tionen mehr oder weniger verdunkelt. Die Ehre, in der das einzelneMitglied steht, strahlt eher auf den Verein zurück, als umgekehrt.

Brod kann von den Vereinen in zweierlei Gestalt gebotenwerden: als moralische Beihilfe zur Erlangung von Stellen und alsGeldunterstützung. In beiden Richtungen entwickeln die französischenVereine eine rege Thätigkeit, welche in der gegebenen Atmosphäreder Schulkameradschaft nur selten vom Brodneide getrübt, anderseitsaber durch die zwischen den Schulen bestehende Rivalität angefachtwird und umso leichter zum Ziele führt, als in Folge der massigenProduction von technischen Kräften sich Angebot und Nachfrage inFrankreich ziemlich gut die Waage halten.

Was endlich die Lust, wir meinen die Erholung, die geselligenBeziehungen der Mitglieder technischer Vereine anbelangt, so können *

dieselben ihrer Natur nach entweder bei grosser räumlicher Aus-dehnung nur intermittirend (z. B. alljährlich) platzgreifen, oder aberden Bann eines localen Kreises nicht überschreiten.

Die technischen Vereine haben aber nicht nur nach innen, gegen-über von ihren Mitgliedern, sondern manchmal auch nach aussenAufgaben im staatlichen Leben zu erfüllen; so z. B. in Eng-land und Amerika, sei es durch Abgabe technischer Gutachten, sei es ^

durch directe oder indirecte Bezeichnung der geeignetsten Techniker,