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Ueber die fossilen Pflanzen von St. Jorge in Madeira : der Naturforschenden Gesellschaft in Zürich vorgetragen den 5. November 1855 / von Dr. Oswald Heer
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d Albuquerque*) nannte diese Felsmassen wegen ihrer Farbe das Vinoso, dieMadeirenseraber bezeichnen sie als pedramolle und nennen eine Form davon, welche aus kleinerenund ziemlich gleich grossen Stücken besteht, die Cantaria molle, woraus die Thür-und Fenstergesimse gefertigt werden. Ich habe Albuquerques Bezeichnungsweise fürdiese ungeschichteten Conglomerate beibehalten. Auf diesem Vinoso liegen die Basalt-massen, welche stellenweise nur dünne Lager bilden und mit Conglomeratschichtenwechseln, stellenweise aber eine sehr grosse Mächtigkeit erreichen und Lager bilden,die am Süd- wie am Nordabhang der Hauptkette gegen das Meer sich abdachen.Sie sind von Bändern gelben Tuffes durchzogen, welche besonders in dem Beckenvon Funchal eine grosse Entwicklung erhalten haben und Streifen schwarzer vulka-nischer Asche und weisser Bimssteine einschliessen. Auf diesem System von festen,öfter zu Säulen zersprungenen Basalten, Schlacken und gelben, am obern Randerothgebrannten Tulfen, finden wir, der Centralkette folgend, eine eigenthümliche gelbeTulfmasse, welche eine Masse von kuglichten Körpern einschliesst, die aus concentrischangelagerten Schichten bestehen, von denen die äussersten eine gelbliche, die innerneine hellgraue Färbung haben. Stellenweise hat dieser Tuff einen trachytischenCharakter, daher wir ihn als trachytischen Tuff bezeichnen wollen, um einen Na-men für eine Schicht zu haben, welche jedenfalls einen eigentümlichen Bildungsaktin der Geschichte der Insel bezeichnet. Dieser trachytische Tuff bildet einen breitenStreifen längs der ganzen centralen Gebirgskette, überall das Oberste ausmachend.Im Osten der Insel, wo diese sich sehr verschmälert, nimmt er die ganze Breitederselben ein, während er da wo die Insel die grösste Breite erreicht, nicht bis zumMeer hinabreicht. So finden wir in der Gegend von Funchal den trachytischen Tufferst bei der Bergkirche, während er bei CaniQal die ganze Landzunge bedeckt und auchbei der Quemada (Machico) bis zum Meer hinabreicht.

Ein Blick auf den Querdurchschnitt der Insel (Tafel III) vom Pico da Cruz biszur Ponta S. Jorge zeigt uns, dass das Vinoso den Kern derselben bildet und mitder Höhe der Berge an Mächtigkeit zunimmt; ein ähnliches Bild gewährt auch derLängsdurchschnitt der Hauptkette. Die seltsamen Felsenzacken der Toringhas, welchean 6000 F. Höhe erreichen, bestehen bis zu oberst nur aus dem Vinoso, und auch

*) Observa?öes para servirem para a Historia geologica das Ilhas da Madeira, Porto Santo eDesertas; in der Madeirenser Zeitung Flor dOceano von 1840. Albuquerque war damals Gouverneurder Insel.