men*), im Süden in einzelnen Ausläufern bis in die Gegend der atlantischen Inselnreichte, welche letztem zu Ende der Tertiärzeit entstanden, sich an dies Land ange-sclilossen hätten, so erklären sich uns manche höchst aulfallende Erscheinungen. Eswird uns klar warum die tertiäre europäische Flora einen vorwaltend amerikanischen Charakter besitzt und eine Zahl von Baumarten enthält, welche nur mit Mühe vonsolchen zu unterscheiden sind, die jetzt noch die amerikanischen Wälder zieren; eswird uns aber zugleich verständlich, wie es gekommen, dass auch die jetzige Florader atlantisehen Inseln nahe Beziehungen zu unserer tertiären Flora zeigt, welcheauch in einzelnen Mollusken **) sich kund geben. Die atlantischen Inseln hätten vondiesem Lande aus ihre erste Vegetation erhalten, jedoch erst zu einer Zeit, wo diePflanzenwelt in eine neue Phase der Entwicklung getreten und den Charakter derjetzigen Schöpfung erhalten hatte, wie diess offenbar zur Diluvialzeit der Fall gewesenist. Aus dieser Grundlage wären die Pflanzenformen hervorgegangen, welche jetztdiesen Inseln eigenthümlich sind. So würde sich uns erklären, warum die atlantischenInseln bei einer Zahl von eigenthümlichen, eigene Bildungsheerde bezeichnenden Ge-wächsen doch so viele Pflanzen und Thiere mit Europa gemein haben, warum über-haupt ihr ganzer Naturcharakter ein viel mehr europäischer als afrikanischer ***)ist, unddabei einzelne ächt amerikanische Typen erscheinen, -f) Auch die St. Jorge-Pflanzen
*) Unger Geschichte der Pflanzenwelt, S. 259.
**) So ist die tertiäre Helix Ramondi Brongn. zunächst verwandt mit der H. Bowdichiana Fer.von Madeira und Porto Santo, die Ilelix inflexa Mart, ähnlich der H. Porlosanctana Sow., währendandere tertiäre Arten in Nordamerika und Westindien ihre analogen Species in der Jetztwelt haben.Man vergl. Kurr in den würtenberg. naturwissenschafll. Jahresheften. 1856. Nil. S. 40.
w ) Es hat Hooker (cf. Niger Flora S. 77) auf die hohen Gebirge des Atlas hingewiesen, dassdort vielleicht die atlantischen Pflanzenarten sich wieder finden werden. Es scheint mir diess abernicht wahrscheinlich. Ein Kaufmann von Saffi in Marocco, den ich in Madeira kennen lernte, undder in Handelsgeschäften das Allasgebirge oft bereist hat, versicherte mich, dass die Bäume und Sträu-cher jener Gegenden gänzlich verschieden seien von denen Madeiras. Auch sind durch die Reisenvon Webb, von Boissier und Reuter in Marocco, wie durch die Forschungen der Franzosen im Innernvon Algerien neuerdings keine den atlantischen Inseln eigenthümlichen Pflanzen auf dem afrikanischenFestlande nachgewiesen worden.
i) Da die meisten amerikanischen Species Madeiras zu den Cryptogamen gehören, können dieSporen derselben vielleicht durch den Wind (den Nordostpassat) nach Madeira vertragen worden, dieEichenen vielleicht auch an Baumrinden eingeschleppt sein. Allein es gibt in Madeira und den Ca-narien einige ächt amerikanische Genera, welche daselbst in andern Arten erscheinen als in Amerika ,also unzweifelhaft endemisch sind. Dahin gehören Clelhra, Bystropogon und Cedronella. Aber auchdie artenreiche Gattung Oreodaphne ist fast ausschliesslich amerikanisch und die Persea indica L.sp. (die bekanntlich nicht in Indien lebt, sondern den atlantischen Inseln eigenthümlich ist) gehört zu