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Practisches Mineralsystem / entworfen von Rudolf Augustin Vogel
Entstehung
Seite
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Kalkerden.

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schreiben brauchen kann. Sie hat ihren Namen von einerInsel des mittelländischen Meeres, die ehedem Creta, jetztaber Candia heißt. Man findet sie in Frankreich, Eng.land, Spanien, Italien, Lithauen und Norwegen sehrhäufig. In Ansehung der Feinheit und Weiße bemerketman an derselben einigen Unterschied. Durch starkes Bren-nen wird sie leichter, brüchiger, und an Farbe bräunlichoder graulich. Wenn sie rohe ist, so erweicht sie sich imWasser nicht; sie nimmt es aber in sich, und läßt es wieein Seiger durchlaufen.

§. 4-

Von der Entstehung der Kreide.

Die mehresten Naturkenner stehen in der Meynung,daß diese Erde aus den schwarzen Horn-- oder Feuersteinenherkomme, welche sie zwischen sich hat, und welche durchdie unterirdische Witterung nach und nach in eine sandich-re, endlich aber in eine dichte, jedoch leicht zerreibliche weis-st Substanz verwandelt werden '). Allein mir kömmt die-se Meynung unwahrscheinlich vor, theils darum, weil manvon einer solchen Verwandelung nicht die geringsten Spu-ren hat, theils auch um deswillen, weil die alkalischen undkieselichten Erden eine ganz widerwärtige Natur haben.Viel glaublicher wäre, diese Hornsteine aus der Kreide,als umgekehrt die Kreide aus den Hornstcinen entstehen zulassen; besonders aus dem Grunde, weil man in den Horn-steinen versteinerte Conchylien antrifft, die unwidersprech-lich einen kalkichten Grundstoff haben. Aber eben dieserUmstand zernichtet auch diese letztere Meynung wieder, undbringt uns auf die Gedanken, daß Kreide und Hornsteinezu gleicher Zeit entstanden, und weder die Kreide dem Horn-stein , noch der Hornstein der Kreide seinen Ursprung zudanken habe: denn wie hätten wohl die Muschelschalen bey

einer

r) S- Neumanns ?rar/. p. IZ4I.