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Practisches Mineralsystem / entworfen von Rudolf Augustin Vogel
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454
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454 Vollkommene Metalle.

wenn das Silber mit Meßing verseht wird, so zeiget es eineweißere Farbe, als wenn eben so viel Kupfer darunter ge-mischt wäre. Ein Künstler kann also durch die Farbe ge-täuscht werden, daß er dasjenige für reines Gold oder Sil-ber hält, was doch größtentheils solches nicht ist. Inzwi-schen läßt sich dieser Betrug durch das Scheidewasser ent-decken, wenn das Metall wie Gold aussieht; denn dasScheidewasser löset außer dem Golde alle Metalle auf. Mangießt also in diesem Falle einen einzigen Tropfen von demScheidewasser auf den Strich, und zieht ihn mit einem Fe-derchen ganz darüber her: ist es kein Gold, so wird derStrich vergehen; ist aber nur ein Theil Gold darinne,sobleibt dieses zum wenigsten unaufgelöset, und zeiget eine ver-änderte und zertrennte Farbe. Das Silber kann mandurch das Aquaregis nicht so gewiß erkennen, als das Golddurch das Scheidewaffer: denn ob es gleich scheint, als wenndasAquaregis das Silber im nassen Wege nicht auflöse, sowird solches doch endlich bey einer so großen Zartheit nacheiniger Zeit in ein weißlichtesPulver zernaget. Das Schei-dewasser zeiget auch von az bis zu 7 Karat die Gegenwartdes Silbers nicht an, weil es das Silber aus dem Goldenicht herauSnagen kann, wenn in dem Gemenge nicht drey-mal mehr Silber als Gold ist. Wenn das auf den Pro-kirstein gestrichene Metall sich nicht sauber genug darstellet,so kann man die Farbe dadurch lebhafter machen, wennman den Strich mit der Zunge belecket. Uebrigens pflegtdie Farbe des Strichs mir der Zeit sich zu verändern; da-her auch diejenigen Striche, welche einige Zeit auf demSteine gestanden haben, mit den frisch darauf gestrichenennicht können verglichen werden.

Zweyte