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Besteigung des Vulkanes Tambora auf der Insel Sumbawa und Schilderung der Erupzion desselben im Jahr 1815 / von Heinrich Zollinger
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die so leicht sind, dass sie auf dem Wasser schwimmen. Sie sind aber so voll grosser Poren und sogrobfaserig, das man sie nicht als Bimssteine benutzen kann. Die schwärzliche Farbe scheint zum Theileine Wirkung der atmosphärischen Luft zu sein; denn in tiefem Schichten , unter grossen Haufen geborgensind diese Steine von hellerer Färbung. Je näher dem Berge , desto grösser wurden sie , und oft machtensie das Fortschreiten für die Pferde äusserst mühsam, ja sogar gefährlich. Wir fanden zuweilen sogarStücke von 34' Diameter. Sie sollen einst aus dem Tambora geschleudert worden sein und viele Men-schen getödtet haben.

Um 2 Uhr langten wir in Tampurok an. Es ist dies eine flache Stelle am Meeresstrande , wo einewunderherrliche Quelle in starkem Strahle aus dem Felsen hervorsprudelt. Sie füllt dicht am salzigenSeewasser ein kleines Becken mit der klarsten , kühlen Flut, in der prachtvolle und seltene Süsswasser-schnecken sich in Menge aufhalten. (Sie sind beschrieben in A. Moussons Land- und Süsswassercon-chylien Javas.) Wie erquickte uns der Trunk aus dieser Quelle nach vielstündigem Ritt unter der Sonne,über glühenden Sand und staubige Asche! Wie erfrischte uns am Abend nach einem Stündchen Schlafein Bad in dem krystallenen Born! In der Nähe war eine Gruppe alter, ehrwürdiger Tamarindenbäume,zwischen denen ebenso gewaltige Terebinthaceen ihr dichtes Laubgewölbe ausbreiteten. Um die Baum-grnppe herum lag ein Wall hoher Felsstücke, als wären sie absichtlich von Menschenhänden zu einemBefestigungswerke aufgethürmt worden. Möglich doch, dass dies der Fall ist; denn nur eine Oeflhungnach S. gestaltet den Hirschen und Büffeln hereinzukommen, um sich bei Nacht an der Quelle zu tränken.Haben vielleicht Seeräuber um des Wassers und des Gewildes willen eine Stätte bereitet? Wir schlugenin diesem Walle unser Nachtlager auf, und bald lagerten wir uns um lustige Feuer, die freilich das Wildverscheuchten, das sonst zur Quelle gekommen wäre.

Hier füllten wir den folgenden Tag alle unsere Wassergefässe, da wir höher oben kein Wassermehr finden konnten. Auch Hessen wir die Mehrzahl der Pferde nebst einigen Männern zurück, dieselbenzu besorgen und zu bewachen. Am 10. des Morgens früh setzten wir den Zug nach W. fort; denn nochwaren wir nicht am eigentlichen Fusse des Berges. Die Gegend wurde immer öder und wilder. DieFelsblöcke lagen wie Mauern über und hinter einander. Das Reiten darüber hin erforderte viel Zeit undwar sehr gefährlich, weil häufig zwischen den Blöcken tiefe Löcher waren, mit Gras und Asche bedeckt,in welche die Pferde einsanken, so dass sie nur mit Mühe ihre Beine wieder herausziehen konnten. Nurso ausgezeichnete, kleine Gebirgspferde, wie man sie auf Bima findet, konnten in einem solchen Chaosfortkommen. Ich sah drei Hirsche, konnte aber nicht zum Schüsse kommen. Ueberall zwischen denFelsen sahen wir schmale Pfade ziehen, die von Hirschen und Büffeln eingetreten waren. Von denletztem sahen wir sogar einige kleine Rudel ruhig weiden. Sie Hessen sich durchaus nicht stören, wennwir ihnen nicht zu nahe kamen. Zwischen den Felsen wuchs fast nur dorniges Gebüsch, oder es ranktensich Schlinggewächse an ihnen empor. Von altern Bäumen zeigten sich nur einzelne Tamarinden, vonjüngern besonders verschiedene Arten der Alslonia mit freudig grünem Laube , seltener die Kellor-Bäume(Moringa ) und Melia , vermuthlich erst seit 1815 hier angesiedell. Gegen 8 Uhr kamen wir aus demFelsenlabyrinthe heraus auf eine Fläche herabgestürzten Sandes. Um 9 Uhr befanden wir uns am Randedes trocknen Bettes eines Bergstromes, der in der Regenzeit eben so viel Steine und Sand mit sich füh-ren mag als Wasser.

Da wo das Wasser die obersten Schichten von Steinen, Sand und Asche so weit abgespült hat,dass man die ursprünglichen Felsen des Berges sehen kann, erblickt man Trachitgestein. Da, wo Strömesogenannter Lava, d. i. flussartige Betten von Trümmergestein sich bergab ziehen , findet man trachitischeLava, die bald brüchig und porös, bald blasig und glasartig aussieht. Wahrscheinlich war daher dieLava, die aus dem Berge kam, geglühter und in seiner Gestalt veränderter Trachit, der im Innerstendes Berges geschmolzen, emporgehoben und nach Aussen geschleudert wurde. Jenseits des erwähntenFlussbettes dehnte sich ein breiter, kahler Strom vulkanischer Stoffe aus, den wir bestiegen und dann