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grünende Nacht der Ephcugebüsche, die von himmlischem Thaugetränkten Narcissen, den goldstrahlenden Krokvs und denunvertilgbaren, stets selber sich wiedererzeugenden Oel-bauni".“ Indem Sophokles seinen Geburtsort, den Gau von Kolonos, zu verherrlichen strebt, stellt er die hohe Ge-stalt deö schicksalversolgtcn, hcrumirrendcn Königs an dieschlnmmerlosen Gewässer des Kephissoö, von heiteren Bil-dern sanft umgeben. Die Ruhe der Natur vermehrt denEindruck des Schmerzes, welchen die hehre Gestalt dcsErblin.beten, daö Opser verhängnißvoller Leidenschaft, hervorruft.Auch Euripides ^ gefällt sich in der malerischen Beschreibungvon „Messeniens und Lakonienö Triften, die, unter demewig milden Himmel, durch tausend QueUenbrunnen ge-nährt, von dem schonen PamisoS durchströmt werden".
Die bukolische Dichtung, in den Gefilden von Sicilienentstanden und zum Dramatischen volköthümlich hingeneigt,führt mit Recht den Namen einer UebergangSform. Sieschildert im kleinen Hirten-EpoS mehr den Naturmenschenalö die Landschaft. So erscheint sie in ihrer anmuthigstenBollendung, in Thcvkrit. Ein weiches elegisches Elementist übrigens dem Idyll eigen, gleichsam als wäre es „ausder Sehnsucht nach einem verlorenen Ideal" entstanden, alssei immerdar in der Brust des Menschen dem tiefen Natur-gefühl eine gewisse Wchmnth beigemischt.
Wie nun mit dem freien Volksleben die Poesie inHellas erstarb, wurde diese beschreibend, didactisch, eineTrägerinn deö Wissens. Sternkunde, Erdbeschreibung, Jagdund Fischfang treten aus in der alerandrinischen Zeit alsGegenstände der Dichtkunst, oft geziert durch eine sehr vor-zügliche metrische Technik. Die Gestalten und Sitten der