Band 
Zweiter Band.
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Bewußtsein Dc? Volkes gemacht, bethätigt sich am deutlich-sten i» seiner religiösen Grundansicht, in der Erkenntnißdes Göttlichen in der Natur. Die sorgenlose LeichtigkeitdcS äußeren Daseins kam einer contcmplativen Richtungfördernd entgegen. Wer könnte sich ungestörter und innigerder Betrachtung hingeben, nachsinnen über daS irdischeLeben, den Zustand deö Menschen nach dem Tode, überdaS Wesen dcS Göttlichen, als die indischen Büßer, diewaldbewohnenden Brahmanen 59 , deren alte Schulen eineder eigenthümlichsten Erscheinungen deö indischen Lebensbilden und auf die geistige Entwickelung deö ganzen Staunmeö einen wesentlichen Einfluß ausgeübt haben?"

Soll ich hier, wie ich, von meinem Bruder und anderenSanökritkundigen geleitet, in meinen öffentlichen Vorlesungengethan, einzeln an das erinnern, waö ein lebendigesund häufig auöbrechendeS Naturgefühl in die beschreibendenTheile der indischen Poesie eingewebt hat; so beginne ichmit den Beden, dem ersten und heiligsten Denkmale derCultur oft-arischer Völker. Ihr Hauptgegenstand ist dieVerehrung der Natur. Reizende Schilderungen der Morgen-röthe und deö Anblicks dergoldhandigen" Sonne enthalte»die Hymnen deöRigvcda. Die großen Heldengedichte Ra-in aya na und Mahabharala sind jünger als die Veden,älter alö die Puranen. In den epischen Schöpfungenist ihrem Wesen nach die Verherrlichung der Natur an dieSage geknüpft. Wenn in den Veden sich selten ört-lich die Scene angeben läßt, welche die heiligen Weisenbegeisterte, so find dagegen in den Heldengedichten die Natur-scknldcrungen meist individuell und an bestimmte Localitätengebunden, daher, was hauptsächlich Leben giebt, aus selbst-