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Zweiter Band.
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eine Charakteristik der so ausgedehnten nnd in ihrer Man-nigfaltigkeit so ungleichartigen arabischen Litteratur zu ge-ben, oder zu unterscheiden, was in den verborgenen Tiefender Organisation eines Menschenftamines und der Natur-entfaltung seiner Anlagen, was in äußeren Anregungenund zufälligen Bedingnissen gegründet ist. Die Lösung die-ser wichtigen Aufgabe gehört einer anderen Sphäre derIdeen an. Unsere historische Betrachtungen sind auf einefragmentarische Herzählung dessen beschränkt, waö in ma-thematischen , astronomischen und naturwissenschaftlichenKenntnissen das Volk der Araber zur allgemeinem! Welt-anschauung beigetragen hat.

Alchymie, Zauberkunst und mystische Phantasien, durchscholastische Dialektik jeder dichterischen Anmuth entblößt,verunreinigen freilich auch hier, wie überall im Mittelalter,die wahren Resultate der Erforschung; aber unablässigselbstarbeitend, mühevoll durch Uebersetzungen sich dieFrüchte früher gebildeter Generationen aneignend, haben dieAraber die Naturansichten erweitert und vieles Eigene ge-schassen. Man hat mit Recht aus den großen Unterschied ^der Culturverhältnisse aufmerksam gemacht zwischen den ein-wandernden germanischen und den arabischen Stämmen.Jene bildeten sich erst nach der Einwanderung aus; diesebrachten mit sich schon aus der Heimath nicht bloß ihreReligion, auch eine hochausgebildete Sprache, und die zar-ten Blüthen einer Poesie, welche nicht ganz ohne Einflußaus die Provenzalen und die Minnesänger geblieben ist.

Die Araber besaßen merkwürdige Eigenschaften, umaneignend und vermittelnd zu wirken vom Euphrat bis zumGuadalquivir und bis zu dem Süden von Mittel-Afrika. Sie