Band 
Dritter Band.
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Da in der Geschichte der Entdeckung des Neptun oft von einemAntheil geredet worden ist, welchen der große Königsberger Astro-nom früh an der, schon von Aleris Bouvard (dem Verfasserder Uranustafeln) im Jahr 1834 geäußerten Hoffnungvon derStörung des Uranus durch einen uns noch unbekannten Planeten"genommen habe; so ist es vielleicht vielen Lesern des Kosmos an-genehm, wenn ich hier einen Theil des Briefes veröffentliche,welchen Be ssel mir unter dem 8 Mai 1840 (also zwei Jahre vorseinem Gespräche mit Sir John Herschel bei dem Besuche zu Cvl-lingwood) geschrieben hat:Sie verlangen Nachricht von demPlaneten jenseits des Uranus . Ich könnte wohl auf Freundein Königsberg verweisen, die aus Mißverständniß mehr davon zuwissen glauben als ich selbst. Ich hatte die Entwickelung des Zu-sammenhanges zwischen den astronomischen Beobachtungenund der Astronomie zum Gegenstände einer (am 28 Febr. 1840gehaltenen) öffentlichen Vorlesung gewählt. Das Publikum weißkeinen Unterschied zwischen beiden; seine Ansicht war also zu be-richtigen. Die Nachweisung der Entwickelung der astronomischenKenntnisse aus den Beobachtungen führte natürlich auf die Be-merkung: daß wir noch keinesweges behaupten können, unsereTheorie erkläre alle Bewegungen der Planeten. Die Beweise da-von gab der Uranus , dessen alte Beobachtungen gar nicht in Ele-mente paffen, welche sich an die späteren von 1783 bis 1820anschließen. Ich glaube Ihnen schon einmal gesagt zu haben, daßich viel hierüber gearbeitet habe; allein dadurch nicht weiter ge-kommen bin alö zu der Sicherheit, daß die vorhandene Theorie,oder vielmehr ihre Anwendung auf das in unserer Kenntnißvorhandene Sonnensystem, nicht hinreicht das Räthsel des Uranuszu lösen. Indessen darf man es deshalb, meiner Meinung nach,nicht als unauflösbar betrachten. Zuerst müssen wir genau undvollständig wissen, was von dem Uranus beobachtet ist. Ich habedurch einen meiner jungen Zuhörer, Flemming, alle Beobachtungenrcduciren und vergleichen lassen, und damit liegen mir nun dievorhandenen Thatsachen vollständig vor. So wie die alten Beob-achtungen nicht in die Theorie passen, so paffen die neueren nochweniger hinein; denn jetzt ist der Fehler schon wieder eine ganzeMinute, und wächst jährlich um 7" bis 8", so daß er bald vielgrößer sein wird. Ich meinte daher, daß eine Zeit kommen werde,