132 11 , 15 u. 16. Beisp. der Mannigfaltigkeit des Ausdrucks u. Llnswcichungen.
von Wörtern und Kunstausdrücken, bestehend aus dem deutschen und frem-den Worte: in deren Bilvung und Gebrauch er eben so stark als kühn war.Neben dem einheimischen Element fehlt nie der fremde Wicderschein. Ichhabe davon anderwärts (No. 17) Beispiele gegeben.
[16J Es ist nothwendig, daß ich dem Leser durch Beispiele vcrsinn-lichc: wie sehr die Mannigsaltigkeit der Ausdrucks- und Tarstellungs-weise, und die Vervielfachung durch die Spnonvma, in Zerstreuung undAuslösung, den Zweck gefährdet und bedroht, welchen ich als nieine Haupt-wirksamkeit erkannte und nicht mir entreißen lassen wollte: den Zweck, dengroßen Inhalt des Werks an feste Worte zu binden und zusammenzuhalten.Bunt vermannigfachtc Ausdrücke für dieselbe Sache sind im Stande alleszu zerstreuen. Wenn man von dem Alter der Erde redet, so kann dießstehen unter: Erde, Erdrinde; unter Urwelt, Urzeit, Vorzeit; vormaligerZustand, Paläontologie u. a. Bei einigen Beispielen davon, in wie selt-same, schwerlich zu stndende und sich einzubildende Worte Humboltt manch-mahl eine Sache, die er jagen will, gekleidet hat; in wie bunte, wiükühr-liche, öfter undenkbare Ausweichungen in einer amnuthig abwechselndenSprache der Ausdruck sich verlieren muß: bitte ich den Leser sich zu ver-sinnlichen, wie schwer es ist, diese Sachen im Register unter Wörter zustellen, so daß sie gefunden werden und zugänglich werden: Indem er (1,284)sagen will, daß die Geognosie von der biblischen Darstellung der 6 Schöp-fungstage abgegangen sei, sagt er: daß sie sich den „semitischen Einflüssen"endlich entzogen habe; wohin soll ich auch die pikante Hinweisnng (durchdas Wort „auf dem Eontinent" bewirkt) stellen, daß England noch an derbiblischen Darstellung hängt? (ich habe es mit Worten unter ^England ge-than). Bd. I S. 293m drückt Humboldt einen Gedanken so aus: „ob dasvegetabilische Leben früher als das animalische aus der alten Erde erwachtsei?" Dieß muß aber vereinfacht werden zu: ob die Pflanze» früher gewesensind als die Thiere? Wieder den Gedanken: daß man wohl ohne Pflanzenleben könne, drückt er S. 295m so aus: „. . . mahnt uns an die Mög-lichkeit der Entbehnmg alles Pflanzenstofses". Den Ausdruck 111594a „eineMyriade von Jahrhunderten" reducire ich auch als „Alter der Welt".Weitere Proben des künstlichen Ausdrucks und der Ausweichungen sind:statt „Entstehung der Pflanzen" steht: Entwicklung des organischen Lebens,statt „Entstehung der Planeten" lesen wir: planetarische Genesis; „der Mondbewegt unsre Oceane" heißt es statt einfacher: er erregt Ebbe und Fluth;die Verdunstung des Wassers auf der Erde durch die Sonuc wird 111378«ausgedrückt: „in der befruchtenden Vermischung der Luft- und Wasserhülleu desPlaneten". Ich verzeichne als Beispiel „großer Kälte" 1347m; aber diese ein-fache Sache, nach der man sich wohl im Kosmos umsehen kann, ist dort indie Worte gehüllt: „die schreckhafte Mittel-Temperatur". Daß ein Volk etwasaus dem „Nilthale" erhalten hat (111161a), möchte so schwer zu finden