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1 (1860) Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst / von Gottfried Semper
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da ihre Durchführung sich nicht in allen Fällen mit den Anforderungender Zwecklichkeit und des Charakters vereinbaren lässt.

Die proportionale Autorität.

Sie tritt niemals selbständig, d. i. für sich allein auf, sondern ent-weder in Verbindung mit der makrokosmischen Autorität oder in Ver-bindung mit dieser und gleichzeitig mit der Richtungsautorität.

Verbunden mit ersterer erscheint sie an den radialen, entweder un-mittelbar dem Schosse der Erde entwachsenen und auf ihr fussendenoder auf einem Hauptstamm als Abzweigungen sich entfaltenden, Indivi-dualitäten der Erscheinung.

An diesen radialen Phänomenen der Erscheinungswelt zeigt sich diesich polarisirende Thätigkeit zweier einander entgegen wirkender Kräfteauf einer und derselben vertikalen (oder allgemeiner radialen) Axe derGestaltung. Beide Thätigkeiten oder Potenzen treten in Konflikt, unddieser Konflikt soll sich auf eine solche Weise in der Erscheinung reliek-tiren, dass damit zugleich das daraus resultirende dynamische Gleichge-wicht zur Evidenz trete. (Siehe weiter oben.)

Als Reflex und Repräsentant der makrokosmischen Thätigkeit machtsich nun zuerst an derartigen Erscheinungen. geltend die Basis des pro-portionirten Systems.

Als Reflex und Repräsentant des individualistischen Triebes oderWirkens (in der Pflanze z. B.) tritt dann an derselben proportionirteuErscheinung, und zwar dem Gipfel zunächst, hervor die Dominantedes Systems. Beide sind vermittelt durch ein neutrales tragendes Mit-telglied, an den Eigenschaften beider vorhergenannten Autoritäten par-ticipirend, sich beiden gleichmässig anschliessend, und die Gegensätze ansich vermittelnd.

Die Basis entspricht dem tellurischen (allgemein dem makrokos-mischen) Einheitselemente, dessen Reflex sie ist, entweder durch ruhigeMasse, einfache Gliederung, dunkle Färbung, oder durch säulenartige Multi-plicität, Tragfähigkeit und virtuelle Federkraft.

Die Dominante entspricht dem entgegengesetzten mikrokosmischenEinheitselemente, welches sie repräsentirt, durch Reichthum der Gliede-rung, durch Schmuck, Concentration alles Charakteristischen der Indivi-dualität in ihr, glänzende und helle Farbe. Sie ist der Masse nach, ins-besondere der Höhenausmessung nach, das Kleinere und charakterisirtsich stets als Getragenes und Krönendes, als Haupt.

Das Mittelglied charakterisirt sich zugleich als Tragendes undGetragenes und zeigt eine Haltung und Färbung, in welchen sich dieformalen Sonderheiten und Farben beider vorher genannten Glieder derProportion mischen, oder vielmehr im Doppelreflexe versöhnen. Es bil-