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1 (1860) Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst / von Gottfried Semper
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Drittes Hauptstück.

liehe Medium besitzt durch seinen Glanz die Eigenschaft beiderExtreme des Schwarzen und Weissen und passt daher für alleCombinationen. Zugleich tritt es, wo dieses der Harmonie förder-sam ist, als Farbe, nämlich als nuancirtes Gelb, in Wirksamkeit-

Das entgegengesetzte Prinzip der Ornamentation zu diesem istnun das der Subordination, welches darin besteht, dass dieKontraste der Farben und der Töne nicht durch Abwägen ihrerWirkungen nivellirt werden, sondern sich einander bis zu einembestimmten Kulminationspunkte steigern, der in einem solchenGrade das ganze System beherrscht, dass durch seine überwiegendeAutorität die Einheit der Gesammtwirkung erreicht wird.

Dieses geschieht schon dadurch, dass eben das Zusammen-wirken der subordinirten kontrastirenden Elemente die Autoritätdes herrschenden Elementes hält und kräftigst unterstützt. Woein Zusammenwirken von Kräften nach einem gemeinsamen Zielesich zeigt, dort tritt Einheit in der Mannigfaltigkeit zur Erscheinung-

Die Durchführung der Theorie der Polychromie, die aus diesemSubordinationsprinzipe hervorgeht, sei bis zu einer Gelegenheit ver-schoben, bei welcher sie unmittelbare und ungetlieilte Anwendungfindet. Es wird sich dabei zeigen, dass ein solches System zu-gleich dasjenige ist, welches den Elementen desselben die grössteFreiheit der Entwicklung und die meiste Unabhängigkeit innerhalbder ihnen angewiesenen Schranken gestattet. 1

Es gestaltet sich durch freies Zusammenwirken von Einheiten,die gleichsam von einander emancipirt sind und die selbst wiedernach dem Prinzipe der Subordination (oder der Hierarchie,wenn dieser Ausdruck erlaubt ist) durch Elemente zweiter Ord-nung, die ein gemeinsames Ziel verbindet, sich als einheitlich imMannichfaltigen kund geben. Es ist einleuchtend, nach dem un-tergeordneten Verhalten, welches der Decke und jeglicher Umklei-dung zukommt (worüber oben bereits das Notlüge gesagt wordenist), dass auf ihnen sich ein System der Polychromie, wie daszuletzt erwähnte, nicht vollständig entwickeln darf, sondern höch-stens vorbereiten kann, weil sie eben nur die dienenden, vorbe-

Vergl. mit dem Angedeuteten: Observations on some speeimen 9of metal work by Prof. Semper in dem Catalogue of tlie Museum of orna-mental art at Marlboroughhouse. London . 5th Edition. 1853. Dessgl. FieldSChromatic Equivalents, und Appendix D des oben erwähnten Katalog 8der einen Aufsatz von Owen Jones über Farben enthält.