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1 (1860) Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst / von Gottfried Semper
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Viertes Hauptstück.

welches bei den Alten unter dem Namen der sindones - byssio®so berühmt war. Die Inder verstehen es noch jetzt, miteinfachsten Mitteln und Instrumenten, die wahrscheinlich seitältesten Zeiten unverändert dieselben blieben, so feine Mousseli®zu weben, dass man ein Stück von 25 und mehr Ellen in c ' ngewöhnliche Schnupftabacksdose packen kann. In Europa ist 1 .Bereitung dieser feinen Baumwollenstoffe nicht alt. Seitdem elsetzen die Englischen, Französischen und Schweizer Mousseli® 0Jakonnets, Zephirs, Vapeurs und Tülle zum Theil die älinli c ^ eIndischen Fabrikate, aber ermangeln meistens des ächten St3 eSder ihre Vorbilder auszeichnet und eine Ueberlieferung der ältest® 11Zeiten ist.

Ein gleichfalls aus dem ächten Baumwollstil hervorgegang e ®orientalischer Stoff ist der Nanking, ein leinwandartiges Geweh 0das dem ägyptischen Mumientuche sehr ähnlich ist. Die gelbh cFarbe dieses Stoffes war ursprünglich die Naturfarbe der g e ^ 0pBaumwolle, die zu der Bereitung desselben verwandt wurde, Jdoch sind die meisten Nankings, selbst die Chinesischen, heut 01tage in dem Faden gefärbt. 1

Das der Baumwolle eigenthümlichste Produkt aber istKattun , dessen linnenartiges Gewebe sich vornehmlich dazu eig®'

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aufgedrückte Muster von allerlei Farben aufzunehmen, einetechnische Procedur, von welcher weiter unten beim FärbenWeitere folgen wird.

Im. Ganzen wird die Baumwolle zu eigentlichen Kunstgeweh® 11das heisst zu solchen Zeugen, deren Oberfläche durch eine k«®^volle und geregelte Abwechslung und Verflechtung dergemustert und geziert erscheint, nicht viel verwandt, weil ihr ^

damascinirende Glanz des Flachses fehlt und dergleichen geW e

Muster daher nicht hervortreten würden. Die Tugend der B»® 1 ^wolle liegt gerade in der umgekehrten Eigenschaft, in derheit der Oberfläche, die in den Mousselinen sehr glücklichnützt wird.

1 Aus einer Stelle im Pliilostratus (Vit. Apoll. II. p. 71) möchteschliossen, dass dieser Nanking den Alten bekannt und einer der Stoffe ge" re ^sei , die den so unbestimmten Namen llyssos führten. An jenerlieisst es: Man sagt, der llyssos wachse auf einer Art Pappelbaum mit W el fähnlichen Blättern. Apollonias sagt, er habe einen Byssosanzug getrag e °einem gelben Philosopheninantel (rgißcovt) geglichen habe.