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Kleine Schriften / Gottfried Semper ; Hrsg.: Manfred und Hans Semper
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Kunstgewerbliches.

Welche einer schnellen Abnutzung unterworfen sind. Dabei be-weisen sie überdies noch einen großen Geschmack in Form undFarbe. Sie kennen und gebrauchen nur die drei Grundfarben:Rot, Blau, Gelb, die sie aber durch Nebenansetzen von Weis;und Schwarz als neutrale Töne miteinanderstimmen. Alle ihreFarben harmonieren mit dem braunen Grundton des Leders.Mit einem Worte, die Kleidungsstücke dieser Wilden sind sehrvollendet in stilistischer Hinsicht. Namentlich beweisen sich dieindischen Squaws als sehr geschickte Näherinnen und Stickerinnen.

Auch bei unseren Vorfahren, den Germanen, war die Kunstder Kleidungsstücke ausgebildet, denn wir wissen, daß ihre Rhe-nones, eine Art künstlich bearbeiteter Renntierfelle, bei denRömern so beliebt wurden, daß man ein Verbot gegen dasTragen ^derselben erließ aus Furcht vor überhandnehmendemgermanisierenden Einflüsse. Vermutlich waren ihre Näh- undStickereien ähnlich den jetzigen kanadischen, von welchen wiroben sprachen.

Ueberall finden wir bei den Naturvölkern von unverdorbenemGefühle die Manifestierung der Grundgesetze des Stiles auchin ihrer textilen Kunstäußcrung: Nichts darf versteckt werden.Ueberall sind die zusammenhaltenden fungierenden Teile dieGegenstände reichster ornamentaler Verzierung, wogegen sich diezwecklichen, subjektiven Teile nur entweder durch den Stoff odertendenziöse Verzierung auszeichnen.

Im Mittelalter wurde der Pelz mit großem Luxus in dasKostüm aufgenommen und noch jetzt ist er in der Staatstrachtdes englischen Adels geblieben.

Eine weitere Bearbeitung der Tierhaut ist ferner das Leder,das im Mittelalter durch die gepreßten Ledertapeten Eingang in dieBaukunst fand. Neuerdings versuchte man ebenfalls diesen Gegen-stand einzuführen. Bei den Juden finden wir in bedeutendemMaße die Anwendung textiler Stoffe in der Baukunst bei derStiftshütte. _