Des M. Bitrnvius Pollio zehn Bücher der Baukunst. 497
Die Karyatide kommt allerdings auch sonst bei allen Schrift-stellern als Bezeichnung derartiger weiblicher Süulenfigurenvor (Ulinius XXXV, 5; Vtlmimou8 Iwipn. VI, 40), allein sierepräsentieren nicht dies Genus, sondern nur eine bestimmteArt solcher weiblicher Säulenfiguren. Ihr Name rührt auchwahrscheinlich nicht von jenen Sklavinnen der arkadischenStadt Enryna her, deren wahrscheinlich fabelhafte Zerstörung nachden Perserkriegen kein Historiker erwähnt, sondern von eineranderen Stadt dieses Namens in Lakonien mit einem berühm-ten Heiligthum der Diana, wo nach altem Gebrauche dielakonischen Jungfrauen feierliche Tänze aufführten. Sie mochtenmit ihren lakonischen Gewändern das Vorbild gewisser Säulen-siguren geworden sein, die nach ihnen Karyatiden heißen. DieVitruvische Geschichte findet übrigens einige Stütze an dem be-kannten Basrelief zu Neapel , mit der Inschrift: „Dieses Tro-Paion wurde Hellas errichtet nach Besiegung der Karyaten",dessen späterer Ursprung jedoch keinem Zweifel unterliegt.
Die von Vitruv erwähnten persischen Sklaven als Sims-träger der persischen Stoa des Marktes zu Athen gehören garnicht hierher, denn Pausanias (III. II) sagt ausdrücklich, daßsie auf den Säulen standen, also wahrscheinlich in ähnlicherWeise wie die gefangenen Barbaren über die Säulen derTriumphbögen gestellt wurden.
Von männlichen Säulenfiguren bleiben uns, außer denUeberresten der mehr Wandpfeiler bildenden Atlanten: desinneren Jupitertempels von Agrigent , die vier bärtigen Satyr-figuren als Giebelträger in dem Museum des Louvre. Der-artige Säulenfiguren kommen vor als Atlanten, Telamonen,Giganten; auch Pygmäen wurden in ähnlicher Weise benutzt,wie es folgende Stelle des Plinius beweist:
„Eine schöne derartige Pygmaenordnung ist uns in denBädern zu Pompeji erhalten."