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Urelemeute der Architektur und Polychrom».
Und da die Geflechte und Teppiche die ursprünglichen Raum-trennungen bildeten, so ist es natürlich, daß diese Produkte in-dustrieller Kunst einen großen Einfluß aus die weitere Ent-wickelung und Dekorierung der Wände bewahrten, selbst als dieletzteren in der Folgezeit massiv ausgeführt wurden. Die Tep-piche sind die sichtbaren Wände; Was hinter ihnen ist, hat nichtsmit der Idee der Raumtrennung zu thun. Die dicken Stein-mauern sind nur notwendig mit Rücksicht auf andere sekundäreZwecke, wie z. B. den, den Wänden Stärke, Dauer, Sicherheit rc.zu verleihen.
Wo diese Nebenabsichten nicht verfolgt wurden, da bliebendie Teppiche die alleinigen Raumtrennungen, und selbst wo Mauernnotwendig wurden, bildeten sie doch nur die inneren Stützen derwahren Wandrepräsentanten, nämlich der bunten Teppiche undDecken. Daher rührt es, daß die ältesten Ornamente der Archi-tektur meist von Geflechten und Geweben hergeleitet werdenkönnen, welche die natürlichen und anmutigen Produkte des Spin-nens und Webens mit natürlichen Stoffen verschiedener Farbensind. —
Wir haben in der deutschen Sprache ein Wort, welches densichtbaren Teil des Raumabschlusses bezeichnet: die Wand, einWort, welches dieselbe Wurzel und fast dieselbe Bedeutung hatwie Gewand, das einen gewobenen Stoff bezeichnet. Der kon-struktive Teil des Raumabschlusses hat einen anderen Namen,wir nennen ihn Mauer. Dies ist sehr bezeichnend. Die Be-deutung der idealen Repräsentanten des Raumabschlusses bliebdie nämliche, selbst als die traditionellen Matten und Teppicheaußer Gebrauch kamen und durch andere Wandbekleidungen er-setzt wurden.
Der erfinderische Instinkt der Menschheit war unerschöpflichin der Erfindung neuer Wandbekleidungen und sehr verschiedeneUrsachen bewirkten diese Neuerungen. Bald war Sparsamkeit, baldLuxus, bald Kälte, bald Dauerhaftigkeit das bewegende Prinzip zu