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Kleine Schriften / Gottfried Semper ; Hrsg.: Manfred und Hans Semper
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Urelemente der Architektur und Polychrome.

Wendung, sondern nur die Körperbewegung in ihrer allgemeinenRichtung und Gesetzlichkeit reflektiert wird.

Diese doppelte Eigenschaft ist maßgebend für die Anwendungdes genannten Schmuckes. Gar leichtes, flatterndes Bänder-und Schleifenwerk ziemt sich für jugendliche und weibliche Formen,wogegen dieser Schmuck, wenn er die passende Stimmung er-hält, das ernste Pathos, das Gravitätische der Gestalt hervor-hebt. Diese Stimmung erreicht man durch breites, schweres,betroddeltes Bandwerk und dem Aehnliches. So sind die überden Schultern rückwärts Herabwallenden Endungen des Diadems(die die den Weihekranz zusammenhaltenden

Täniä, Symbole des Herrschertums und priesterlicher Weihe. DieVerzierungen und Stickereien des Bandschmuckes sind dessen be-weglichem Charakter entsprechend zu wählen, also der Bewegungfolgend, sich abrollend. Auch hierin waren die Völker des Alter-tums und sind die halbbarbarischen Hindu und sonstigen Morgen-länder taktvoller als wir.

Auch in diese Klasse des Schmucks gehört das allgefügigeHaupthaar; freiflatternd oder vorne in Knoten geschürzt (dasAttribut des Apollon, der Artemis , des Eros ), oder hinten ge-nestelt, ein anmutiger Richtungsschmuck der hellenischen, etruri-schen und römischen Damen.

Der Zopf der Chinesen und unserer Vorfahren, samt demHaarbeutel, sind Karikaturen des Richtungsschmuckes.

Die. drei bezeichneten Prinzipe des Schmückens müssen nunzweckeinheitlich an der geschmückten Erscheinung zusammenwirken,d. h. sie müssen in ihrem Gesamteindrucke das Wesen und denCharakter derselben vorteilhaft hervorheben und widerspiegeln,wobei die erste Regel ist, daß der Schmuck nicht durch Ueber-ladung die Aufmerksamkeit zerstreue und von dem geschmücktenGegenstand abziehe, oder schlecht 'gewählt und geordnet, dieHarmonie der Erscheinung störe.

Ein leichtes Mittel, das zweckeinheitliche Zusammengreifen