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Kleine Schriften / Gottfried Semper ; Hrsg.: Manfred und Hans Semper
Entstehung
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Reisebriefe, Berichte u. dergl.

Auch hier befinden sich Emporkirchen.

Ebenso ist die Abstumpfung der scharfen Ecken, die ander Vierung entstehen, durch die Aufgabe bedungen. Der Haupt-raum wird dadurch vergrößert und der Ausblick von den Kreuzes-armen auf die Altarkirche und die Kanzel ermöglicht.

Um nun alles zusammenzufassen, was sich als die Ideedes Architekten für seine Predigtkirche ergibt, so ist es folgendes:

Die aus der Durchkreuzung des Hauptschiffes und desQuerschiffes entstehende weite Vierung mit abgestumpften Eck-pfeilern bildet den Kern derselben. An diese schließen sich rechtsund links die weiten Kreuzesflügel ergänzend an. Sie sind imBogen geschlossen und mit Emporkirchen versehen. Das Haupt-schiff ist seiner ganzen Länge nach in seiner vertikalen Ausmessungin zwei Teile geteilt. Der obere Teil (die Empore) enthält vielPlatz für Andächtige, den Sängerchor und die Orgel. Alle diegenannten Teile sind mit feststehenden Vorrichtungen zum Sitzen,außer den nötigen Gängen, versehen. Nicht so der untere Teildes Schiffes, zwischen den Trägern der Emporkirche. Dieser istals Vorkirche, nur für größere Kirchenfeste als integrierenderTeil der Predigtkirche zu betrachten. Bei der gewöhnlichenSonntagsfeier ist er mit gewirkten Teppichen, die zwischen denSäulen aufgehängt werden, von der eigentlichen Predigtkirchezu trennen. Er muß durch seine Architektur vorbereitend aufdas Gemüt der Andächtigen wirken. Die Teppiche sind für sichbetrachtet ein glückliches Motiv, das, altchristlichen Ursprunges,zur würdigen Ausstattung des Tempels beliebig ausgebeutetwerden kann. Sie befördern die kirchliche Weihe und die fürAndacht zur Predigt nötige Abgeschlossenheit besser als dasVerschließen der Kirchthüren, das bei evangelischem Predigtgottes-dienste fast überall Sitte geworden ist, und recht eigentlich gegenallen uraltherkömmlichen Christengebrauch verstößt. Aber siehaben auch noch den praktischen Nutzen, daß sie das in jedemkirchlichen Gebäude, wes Stiles es sein mag, unvermeidliche